TV-Pingpong bei den Olympischen Winterspielen

"Ich habe Gänsehaut": ZDF-Experte wird bei deutschem Olympia-Drama emotional

10.02.2026 von SWYRL/Jürgen Winzer

Was für Emotionen - und das parallel und leider mit unterschiedlichem Finale. An Tag drei der Olympischen Winterspiele wurden zeitgleich zwei Wettkämpfe für die deutschen Fans zu Nervenkrimis. Am Ende gab es eine Silbermedaille in der Frauen-Teamkombination und eine bärenstarke Leistung, aber den undankbaren fünften Platz, im Männer-Biathlon.

Die ZDF-Kommentatoren spielten atemlos Pingpong. Denn innerhalb weniger Minuten entwickelten sich in Cortina d'Ampezzo und im knapp 50 Kilometer entfernten Antholz zwei packende Sport-Dramen mit deutscher Beteiligung - und jeweils Medaillen in Reichweite. Am Ende hüpften zwei glückliche deutsche Damen auf das Siegerpodest in Cortina und reckten ihre Silbermedaillen - und ein stolzer, aber unglücklicher männlicher Biathlet verließ als "undankbarer Fünfter" das Biathlon-Stadion in Antholz. Freud und Leid - und das im Sekundenfinale.

Das Happy End zuerst: Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann holten Silber in der erstmals ausgetragenen Frauen-Teamkombination. Weidle-Winkelmann war nach der Abfahrt Sechste. Aicher fuhr im Slalom sensationell locker und fix und münzte den leichten Rückstand mit Slalom-Bestzeit in eine Führung um. Danach, so ZDF-Experte Marco Büchel, "heißt es Daumen drücken".

Es wurde zum Krimi, zum doppelten. Denn gleichzeitig kämpfte Philipp Nawrath beim Herren-Einzel über 20 Kilometer beim Biathlon wie ein Löwe. Während Aicher zum Slalom startete, ging er nach nur einem Schießfehler auf dem vorläufigen Platz drei ins Ziel. Danach musste er wie seine alpinen Kolleginnen tatenlos zuschauen und bangen.

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ZDF-Experte Marco Büchel: "Ich habe Gänsehaut"

Das ZDF reagierte schnell. Teilweise wurden die Entscheidungen im Splitscreen übertragen. Dann ging es nach Cortina. Kommentator Julius Hilfenhaus: "Wir kommen gerade rechtzeitig: Emma Aicher steht oben." Kurz darauf fliegt sie den Hang in Cortina hinunter. "Sei flink in den Beinen", ruft ihr Experte Marco Büchel zu. Er schwärmt: "Die Frau ist so cool." Aicher fährt Bestzeit. "Oh, mein Gott", springt ihr ihre Tamgefährtin Kira Weidle-Winkelmann jubelnd in die Arme.

Büchel: "Das war 'ne Ansage!" In der Zeitlupe erkennt er ein Detail: "Sie beißt sich auf den Schal!" Tatsächlich, Aicher hat in voller Fahrt den Schal im Mund! Büchel ist begeistert: "Ach, ist das schön. Ich habe Gänsehaut. Die fährt einfach für ihr Leben gern Ski. Diese Leichtigkeit soll sie sich bitte so lange wie möglich bewahren."

Dann der Wechsel - und der leider abzusehene Sturz vom Treppchen: Der Norweger Johan-Olaf Botn schubst Philipp Nawrath aus den Medaillenrängen. Aber - Ehre, wem Ehre gebührt - Botn war sensationell unterwegs und wird der erste Einzel-Olympiasieger, der keine einzige Fahrkarte schoss. Nawraths Leistung dennoch sensationell. Obwohl er am Ende auch noch vom Norweger Sturla Holm Laegreid auf Rang fünf geschoben wird.

Der Wechsel zurück - und Martina Peterlini rutscht raus! Die italienischen Medaillenträume platzen endgültig. Bei der Abfahrt war schon Sofia Goggia gestürzt - Aus für Team 1. Nun scheidet auch Team 2, nach der Abfahrt auf Platz drei liegend, aus. Damit ist klar: Das deutsche Damen-Duo wird eine Medaille gewinnen. Aber welche?

Fünf Hundertstel fehlen zum deutschen Gold

Es wird zum Hundertstel-Drama. Ariane Rädler hatte als Abfahrt-Zweite 68 Hundertstel Vorsprung auf Weidle-Winkelmann. Dieser Vorsprung schmilzt bei der Slalom-Fahrt von Katharina Huber wie Schnee in der Mittagssonne. Aber am Ende entscheidet ein Wimpernschlag: 0,05 Sekunden bleiben die Österreicherinnen vorne. Heißt: Deutschland hat Bronze sicher.

Eigentlich eine Bank: Vor zwei Tagen hat Breezy Johnson die Abfahrt auf der Tofana Gold gewonnen. Jetzt holt sie auch in der Kombi-Abfahrt die Bestzeit. Und den Slalom fährt Mikaela Shiffrin, die in diesem Winter fast alle Slalom-Rennen gewann. Aber Büchel ahnt es früh: "Das ist zu zögerlich." Und das Olympia-Wunder geschieht: Shiffrin fährt langsam - nur drei Starterinnen waren noch langsamer. Blankes Entsetzen in Shiffrins Augen im Zielraum: Es wird nur der vierte Platz.

Dafür jubeln Österreich und Deutschland. Rodler Felix Loch ist einer der ersten Gratulanten bei Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann. Es ist Aichers zweite Olympia-Silbermedaille. Und auch wenn keiner damit rechnete, ist's trotzdem wieder ein bisschen ärgerlich: Bei der Abfahrt fehlten vier Hundertstel auf Gold, diesmal sind es fünf. Aber Julius Hilfenhaus ist sich sicher: "Irgendwann schlägt das auch zu ihren Gunsten aus."

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