20.03.2026 von SWYRL/Rachel Kasuch
Gangsterboss Tommy Shelby kennt keine Gefühle. Doch Cillian Murphy schon. Zum großen "Peaky Blinders"-Finale spricht der Oscar-Preisträger mit Leidenschaft über 13 Jahre mit einer Rolle und die Frage, was am Ende wirklich bleibt.
Aus einer britischen Gangster-Serie wurde ein globales Phänomen, aus Cillian Murphy ein Oscar-Preisträger ("Oppenheimer"). Nun bringt der Netflix-Film "Peaky Blinders: The Immortal Man" das von vielen Fans geliebte Serien-Universum zurück. Im Jahr 1940 und inmitten der Kriegswirren muss sich der von Cillian Murphy verkörperte Gangsterboss seinen eigenen Dämonen stellen. Für den Schauspieler war es eine besondere Rückkehr, wie er im Interview berichtet.
teleschau: Wenn Sie heute auf all die Jahre mit "Peaky Blinders" zurückblicken - was geht Ihnen da durch den Kopf?
Cillian Murphy: Es ist schon verrückt. Als wir 2012 angefangen haben, hätte niemand gedacht, dass das so lange geht. Dass so viele Menschen es sehen und diese Geschichte wirklich ins Herz schließen würden. Deshalb fühlt es sich auch so besonders an. Ich bin wirklich stolz auf die Arbeit.
teleschau: Die Musik spielt in Peaky Blinders ja immer eine große Rolle. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der irischen Post-Punk-Band Fontaines D.C.?
Murphy: Das kam über Antony Genn, unseren Komponisten. Er ist ein alter Freund von mir - und als er gehört hat, dass wir den Film machen, hat er mich direkt angerufen. Und ich habe dann Grian Chatten von den Fontaines ins Spiel gebracht, weil ich ihre Musik schon lange höre - ich bin wirklich ein großer Fan von ihnen. Sie haben eine unglaubliche Energie - das ist mehr als nur Musik.
teleschau: Sie spielen Tommy Shelby jetzt seit über einem Jahrzehnt. Hat sich Ihr Blick auf die Figur verändert?
Murphy: Ja, natürlich. Der Luxus ist, dass die ganze Vorbereitung eigentlich längst passiert ist. Man hat über 13 Jahre mit dieser Figur gelebt - und ist irgendwie auch gemeinsam älter geworden.
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"Es ist Zeit. Erfahrung. Ein Teil meines Lebens,"
teleschau: Das klingt nach einer sehr persönlichen Verbindung.
Murphy: Ja, das ist es auch. Es ist etwas sehr Ungewöhnliches - und auch sehr erfüllend. Du hast 13 Jahre davon. Du hast mit ihm gelebt. Ich bin mit ihm gealtert. Es ist Zeit. Erfahrung. Ein Teil meines Lebens. Das werde ich so nie wieder erleben.
teleschau: Und trotzdem mussten Sie sich fragen: Braucht es diesen Film überhaupt?
Murphy: Genau. Uns war wichtig, dass der Film seine Existenz wirklich rechtfertigt. Die Serie wurde ja mit jeder Staffel dichter und tiefer. Und Steven hat ja schon sehr früh gesagt, dass er die Geschichte einmal im Zweiten Weltkrieg als Film zu Ende erzählen will. Das war schon früh eine Idee, die immer wieder aufgekommen ist. Deshalb war für uns klar: Wenn wir das machen, dann muss es sich auch wirklich richtig anfühlen.
teleschau: Wann wussten Sie: Jetzt haben wir die richtige Geschichte?
Murphy: Als uns klar wurde, dass es im Kern immer um Familie geht. Und wenn man das weiterführt - als Vater-Sohn-Geschichte - dann fühlt es sich richtig an. Da wussten wir: Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg.
teleschau: Der Film spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Was macht diese Zeit - auch emotional - mit Tommy Shelby?
Murphy: Ich glaube, die ganze Serie basiert auf diesem kollektiven Trauma, das diese Männer aus dem Ersten Weltkrieg mit sich tragen. Sie kommen zurück - und sind auf ganz unterschiedliche Weise gebrochen. Und dann passiert es plötzlich wieder. Ich glaube, keiner von ihnen hätte sich vorstellen können, dass sie so etwas in ihrem Leben noch einmal erleben müssen. Für Tommy bedeutet das: "Was glaubst du eigentlich? Wofür stehst du wirklich?" Nicht Geld, nicht Macht, nicht Kontrolle - sondern etwas Größeres. Und irgendwann beginnt er zu verstehen, wofür er wirklich steht.



