Präsidentin der UN-Generalversammlung

"Leider war das mein Land": Annalena Baerbock überrascht mit Auftritt in der US-Satiresendung "Daily Show"

22.04.2026 von SWYRL/Stefan Weber

Ein ungewöhnlicher Auftritt im US-Fernsehen: Annalena Baerbock war zu Gast in der "Daily Show" von Jon Stewart - und nutzte die Bühne, um für Diplomatie und die Vereinten Nationen zu werben.

Sie war das Vorbild für die ZDF "heute-show"; Die US-Satiresendung "The Daily Show" zählt zu den bekanntesten Late-Night-Formaten des Landes und erreicht regelmäßig ein Millionenpublikum. Am Montagabend begrüßte Moderator Jon Stewart dort einen überraschenden Talkgast: die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock. Die Grünen-Politikerin war in ihrer Funktion als Präsidentin der UN-Generalversammlung eingeladen worden.

Es sei ein Amt, das vielen Zuschauern wohl kaum bekannt sei, witzelte Stewart. Baerbock, die für ihre einjährige Amtszeit im September 2025 nach New York gezogen war, nutzte den Auftritt, um die Arbeit der Vereinten Nationen zu erläutern. Die Zusammenarbeit mit 193 Staaten beschrieb sie mit einem Vergleich: "Stellen Sie sich vor, Sie bringen Ihre Familie für Thanksgiving am Tisch zusammen - und Sie haben einen verschrobenen Onkel, eine Hippie-Mutter, und dann sollen die alle zusammen aus demselben Liederbuch singen." Ihre Aufgabe sei es, dieses "Liederbuch" zu verteidigen - gemeint sind die Prinzipien der UN-Charta wie Frieden, Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte. Für sie sei "glasklar", dass die Charta eine "Lebensversicherung für jeden" sei.

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Baerbock: "Wir haben unsere Lektionen gelernt"

Im Gespräch ging es auch um die Grenzen internationaler Zusammenarbeit. Auf Stewarts Nachfrage, ob der verrückte Onkel oder die Hippie-Mutter die Atomwaffen besäßen, wich Baerbock aus und erklärte: "Offen gesagt: In der Geschichte waren es selten die Frauen, die die Atombombe hatten." Sie verwies stattdessen auf den Gründungsgedanken der Vereinten Nationen. Diese seien "nicht dafür gedacht, die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern die Menschheit vor der Hölle zu bewahren".

Dass diese Worte ausgerechnet von einer Deutschen kamen, überraschte Stewart mit Blick auf die historische Verantwortung besonders. Mit einer Anspielung auf den Holocaust bemerkte er, der Satz klinge auf Deutsch vermutlich besonders eindringlich. "Leider war das mein Land", antwortete Baerbock darauf. "Und wir haben unsere Lektionen gelernt."

Zugleich machte Baerbock deutlich, wie schwierig diplomatische Prozesse geworden sind. Im UN-Sicherheitsrat blockierten sich die fünf ständigen Mitglieder häufig gegenseitig durch Vetos. Als Beispiel wurde eine Abstimmung zur Straße von Hormus genannt, bei der Russland und China gegen eine entsprechende Resolution gestimmt hätten. Diese Konstellation habe dazu geführt, dass Konflikte nicht gelöst werden konnten und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen gelitten habe. Deshalb gebe es Initiativen, zentrale Themen stärker in die Generalversammlung zu verlagern, "wo alle 193 Mitgliedsstaaten vertreten sind".

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Erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen?

Auch aktuelle Konflikte kamen zur Sprache. Baerbock lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit der Vereinten Nationen. Nach einer Debatte über die Auswirkungen des Irankriegs und steigende Ölpreise sei es zu weiteren Verhandlungen und schließlich zu einer "wenn auch brüchigen Waffenruhe" gekommen. Baerbock betonte die Bedeutung diplomatischer Lösungen: "Hoffentlich versteht jetzt jeder, dass niemand gewinnen kann, wenn wir nicht wieder zu diplomatischen Beziehungen zurückkehren."

Zudem richtete Baerbock den Blick auf die Zukunft der Vereinten Nationen. Als Präsidentin der Generalversammlung begleitet sie den Prozess zur Wahl eines neuen UN-Generalsekretärs. Erstmals könnte dabei eine Frau an die Spitze der Organisation rücken. Angesichts von Milliarden potenzieller Kandidatinnen sei es "wirklich schwer zu erklären", warum es bislang keine gegeben habe.

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