Eine Revolution!
Sie brachen auf, um die (Musik-)Welt für immer zu verändern: Keine Band hatte so eine nachhaltige Wirkung wie die Beatles. Doch was, wenn eines Tages ihre Songs weg wären, es die "Fab Four" nie gegeben hätte? Mit dieser "Was wäre, wenn"-Frage beschäftigt sich Danny Boyles Film "Yesterday" (Freitag, 29. Mai, 22.30 Uhr, Super RTL). Und auch wir fragen uns: Welche Errungenschaften verdanken wir John, Paul, George und Ringo?
© Fox Photos/Getty ImagesDie Songs!
Was in einer Welt ohne die Beatles fehlen würde? Natürlich zuallererst ihre Musik, ihre unsterblichen Songs! Gut für Jack (Himesh Patel), die Hauptfigur in "Yesterday", dass er der einzige Mensch zu sein scheint, der sich noch an die Melodien und Texte erinnern kann. Als er beginnt, sie als seine Kompositionen auszugeben, wird er zum Superstar.
© Jonathan Prime/Universal PicturesZeitlose, unzerstörbare Melodien
Das ist (natürlich) die "Lehre" der kurzweiligen Musikkomödie "Yesterday": Die Melodien der Beatles sind zeitlos und unzerstörbar, die Lieder wären Hits in jeder nur erdenklichen Welt. Was der Film hingegen kaum bedenkt, sind die weiteren Auswirkungen, die eine Nicht-Existenz der Beatles hätte - bis auf eine (ziemlich) offensichtliche ...
© Universal Pictures1. Oasis
In der Welt von "Yesterday" existieren Oasis nicht. Ob sich deren gerne aufbrausender Mastermind Noel Gallagher (Mitte) darüber echauffiert hat, ist nicht bekannt. Die Annahme dürfte aber richtig sein: Kaum eine andere Band hat das musikalische Erbe der Beatles so aufgesaugt, aber auch so stilsicher weitergeführt wie die 90er-Britpop-Legenden.
© SonyThe Monkees und mehr
Doch eben nicht nur Oasis, fast keine (britische) Band wäre ohne die Beatles in ihrer heutigen Form denkbar gewesen, angefangen von The Monkees (Bild) über T. Rex und Led Zeppelin, Elton John, ABBA, Queen, Electric Light Orchestra, Tom Petty & The Heartbreakers, Fleetwood Mac, The Police, U2, Nirvana, Blur, Travis, Coldplay bis hin zu One Direction ...
© NBC Television/Courtesy of Getty Images2. Boybands
Apropos One Direction: Nicht nur musikalisch waren die Beatles die Blaupause für zahlreiche Boybands, eine ähnliche Begeisterung der Fans wie während der "Beatlemania" (Bild) hatte man vorher kaum gekannt. Ohne jegliches Casting "erfanden" sie auch das Prinzip, dass eine Band verschiedene Typen haben sollte, um möglichst viele Teens anzusprechen ...
© Orton/Daily Express/Hulton Archive/Getty ImagesBesser als ausgedacht
Es gab (von links) den lustigen Ringo, den schüchternen George, den süßen Paul und den leicht gefährlich wirkenden John, die aber den gleichen Look und Einheitsfrisuren hatten: Besser hätte kein Manager sich eine Band ausdenken können. Sie stachen aus dem Chart-Einheitsbrei der frühen 60er heraus - auch weil sie ihre Songs selber schrieben.
© Edward Wing/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images3. Popmusik ist mehr als Unterhaltung
Bereits 1965 ernannte Queen Elizabeth II. sie zu "Members Of The British Empire" - im wahrsten Sinne ein Ritterschlag für die Beatles. Die Ernennung zeigte aber vor allem, dass mit und durch die "Fab Four" Popmusik eine gesellschaftliche und politische Relevanz bekam, die selbst konservative Politiker wie der damalige Premier Harold Wilson und die Königin nicht leugnen konnten.
© Fox Photos/Getty ImagesCool Britannia
Auch dank der Beatles wird die britische Popkultur auch von der Politik hofiert: Als die Medien Mitte der 90er-Jahre mit Blick auf die Erfolge von Britpop-Bands wie Oasis und Blur und Filmen wie "Trainspotting" unter dem Slogan "Cool Britannia" zusammenfassten, sah sich auch Tony Blair, der 1997 zum Premierminister gewählt wurde, nur allzu gerne als Teil dieses "coolen", neuen britischen Zeitgeistes.
© 2007 Getty Images4. Das Studio als Instrument
Die Beatles waren mehr als vier gut aussehende Jungs mit einem Händchen für eingängige Melodien, gerade hier greift "Yesterday" deutlich zu kurz: Wie keine Band vor Ihnen revolutionierten die Beatles die Art und Weise, wie Songs im Studio aufgenommen wurden, sie experimentierten mit Sounds, Loops und Effekten - oft mit verblüffendem Ergebnis.
© Keystone Features/Getty ImagesStilbildende Songs
In den Abbey Road Studios, unter Aufsicht von Produzent George Martin (dritter von links), entstanden auf diese Weise nicht nur die großen Hits, sondern auch stil- und genreprägende Songs: etwa das psychedelische "Tomorrow Never Knows", die orchestrale Pop-Sinfonie "A Day In The Life", die Proto-Metal-Nummer "Helter Skelter" und die berühmt-berüchtigte Avantgarde-Toncollage "Revolution 9".
© ARTE France / Apple Corps Ltd.5. Das Album als Kunstform
Auch wenn es zuvor schon vereinzelte Ausnahmen gab und auch die frühen Beatles-Werke eher Hit-Compilations waren: Mit "Rubber Soul", "Revolver" und natürlich "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" erfanden sie das Album als Kunstform. Auf diesen Longplayern gab es kein Füllmaterial mehr, jeder Song war ein wichtiger Teil des Ganzen.
© John Pratt/Keystone/Getty ImagesEin Album ist mehr als nur Musik
Zu dieser Idee des Gesamtkunstwerkes gehörte auch eine aufwendige Gestaltung des Covers durch eigens dafür engagierte Künstler. Peter Blake (Bild), einer der beiden Designer von "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", fragte die Band im Vorfeld, vor wem sie gerne bei einem imaginären Konzert spielen würden. Eine illustre Zusammenkunft kam dabei heraus.
© Matt Cardy/Getty Images6. Das Musik-Video
Bereits 1964 weiteten die Beatles ihr Schaffen auf eine weitere Kunstform aus: In "A Hard Day's Night" nahmen sie sich und die grassierende "Beatlemania" aufs Korn und (er)fanden eine weitere Verbreitungsmöglichkeit für ihre Songs. Die fast schon hektisch geschnittene Fluchtsequenz, die mit "Can't Buy Me Love" unterlegt ist, geht für sich genommen bereits als eine Art Musikvideo durch.
© Kaye/Daily Express/Hulton Archive/Getty ImagesVisuelle Visionäre
Die Beatles sahen auch ihre späteren Musik-Clips nie nur simples Werbemittel an: Das Video zu "Strawberry Fields Forever" (Bild) etwa verwendete experimentelle Techniken wie Rückwärtseffekte und Stop-Motion-Animation sowie Schnitte, die gegen den Takt der Musik laufen. Nicht umsonst gilt der Clip als eine Pionierleistung in Sachen Musikvideo.
© © 2015 Calderstone Productions Limited (a division of Universal Music Group) / Subafilms Ltd7. Stadionrock
Heute ist es gang und gäbe, dass die erfolgreichsten Musikacts die größten Arenen bespielen, 1965 war das noch ein Novum: Der Live-Auftritt der Beatles am 15. August im New Yorker Shea Stadium vor fast 56.000 Zuschauern war das erste Stadionrock-Konzert in der Musikgeschichte.
© StudiocanalOhne Beatles kein Metallica!
Auch wenn es auf den ersten Blick etwas weit hergeholt scheint: Ohne die Pionierleistung der Beatles im Shea Stadium wären heutige aufwendige Stadionrock-Shows wie von AC/DC oder Metallica (Bild) kaum denkbar.
© Christian Petersen/Getty Images8. Das Superstar-Benefizkonzert
With a little help from my friends: George Harrison und Ravi Shankar (Bild, zweiter von links) organisierten 1971 "The Concert for Bangladesh", um Spenden für das damals kriegsgeschüttelte südasiatische Land zu sammeln. Im New Yorker Madison Square Garden traten neben den beiden Freunden auch Ringo Starr, Bob Dylan und Eric Clapton auf.
© Keystone Features/Hulton Archive/Getty ImagesVorbild für Live-Aid
Das große (finanzielle) Erfolg des "Concert for Bangladesh" machte das Benefizkonzert zum Vorbild für zahlreiche Live-Events, die dem guten Zweck dienten - wie das legendäre Live-Aid-Konzert in London im Jahr 1985, bei dem neben Bob Dylan, Elton John, U2 und David Bowie auch Paul McCartney und Queen (Bild aus dem Spielfilm "Bohemian Rhapsody") auftraten.
© 2018 Twentieth Century Fox9. Das Leben des Brian
Mit ihrem anarchischen Humor, ihren visionären Animationen (etwa bei "Yellow Submarine") und ihrer generellen "Alles geht"-Attitüde inspirierten die Beatles auch die britische Komikertruppe Monty Python maßgeblich. Deren Kultfilm "Das Leben des Brian" (Bild) wäre ohne die konkrete Einflussnahme eines der vier Musiker übrigens nie entstanden ...
© Columbia TriStar"Das teuerste Kinoticket aller Zeiten"
Nachdem die Produktionsfirma nur wenige Tage vor Drehstart ihre Finanzierung zurückzog, stand "Das Leben des Brian" vor dem Aus. George Harrison, großer Monty-Python-Fan, wollte den Film unbedingt sehen und gründete eigens dafür die Firma "Handmade Films", die das Projekt mit drei Millionen Pfund finanzierte. Zum Dank bekam der Ex-Beatle eine kleine Rolle als Mr. Papadopoulus.
© Evening Standard/Getty Images10. Ringo Starr
Ja, nicht nur die absurde Steinzeitkomödie "Caveman" (Bild) hätte es ohne die Beatles nie gegeben. Bei aller Liebe zu Ringo Starr, zu seinem komischen Talent, seinen Qualitäten als Drummer (die größer sind, als oft behauptet wurde) und den von ihm geschriebenen Beatles-Songs ("Octopus's Garden" und "Don't Pass Me By") ...
© 20th Century Fox Home EntertainmentFür immer Rory Storm and the Hurricanes?
Bei den Songwriter-Qualitäten der anderen drei Beatles kann man sich vorstellen, dass sie auch als Solokünstler nennenswerte Karrieren gemacht hätten. Ob Ringo Starr ohne die Bekanntschaft von John, Paul und George jemals die heute fast vergessene Coverband Rory Storm and the Hurricanes verlassen hätte, in der er vor seiner Beatles-Zeit spielte, darf bezweifelt werden.
© Bradley Kanaris/Getty Images