24.04.2026 von SWYRL
In der Agentenserie "Secret Service" bei MagentaTV sucht Gemma Arterton nach einem Maulwurf in der britischen Regierung, während Matthew Rhys in "Widow's Bay" gegen real gewordenen Aberglauben kämpft. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.
Agentengeschichten haben sich still und heimlich zu einem der beliebtesten Serien-Genres der letzten Jahre entwickelt. Kein Wunder, bei einer instabilen Weltlage voller Misstrauen. Mit der Welt der Agenten gehen die Formate allerdings sehr unterschiedlich um. Mal actionlastig wie in "The Night Agent" (Netflix) oder auch humoristisch gebrochen wie in "Slow Horses" (Apple), "Mr. & Mrs. Smith" (Amazon) oder "Black Doves" (Netflix). Was dem Boom fast ein bisschen fehlt, sind klassische Agentenstoffen im Stile des Genre-Gurus John le Carré ("Bube, Dame, Ass, Spion"). Der 2020 verstorbene Autor schrieb gerne übers Innenleben von Geheimdiensten und den Menschen, die bei ihnen Dienst tun. Vielleicht hätte Großmeister le Carré ja das Werk "Secret Service" gefallen. Ein Buch und nun auch eine fünfteilige Serie des britischen Journalisten, Nachrichtensprechers und Autors Tom Bradby, der auch am Drehbuch entscheidend mitarbeitete. Bekannt wurde Bradby als langjähriger Moderator der britischen ITV-Sendung "News at Ten". Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.
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"Secret Service" - MagentaTV
In Deutschland hat sich Magenta die Rechte des auf Malta und in London spielenden Versteckspiels mit Ex-Bondgirl Gemma Arterton als MI6-Agentin Kate Henderson gesichert. Dabei zeigt Magenta immerhin die ersten beiden Folgen von "Secret Service" (ab Dienstag, 28. April) und ohne Abo-Verpflichtung für alle. Worum geht es? Agentin Henderson leitet ein Team, das den Chef des russischen Geheimdienstes im Urlaub auf Malta überwacht. Mit Lena (Alma Prelec) ist es dem britischen Geheimdienst sogar gelungen, eine Agentin als Nanny in der Russenfamilie einzuschleusen. Wie man sich denken kann, ist die Mission nicht ohne Risiko. Dann platzt während der Routine-Überwachung eine Info-Bombe: Es gibt verstörende Hinweise auf einen Maulwurf in höchsten britischen Regierungskreisen.
Daheim in London überschlagen sich nun die Ereignisse. Kates Ehemann (Rafe Spall) arbeitet ebenfalls im Zentrum des britischen Politikbetriebes - was zur Folge hat, dass die Eheleute und ihre beiden Kinder ihr Familienleben eher zwischen zwei Schlucken Kaffee stattfinden lassen müssen.
"Secret Service" ist spannend, ordentlich besetzt und politisch zeitgeistig, auch wenn Drehbuchautor Tom Bradby dem Genre keine völlig neuen Erkenntnisse abringt. Als Thriller über Menschen, die mit vielen Geheimnissen leben und auch sterben müssen, sind diese dreieinhalb bis vier Stunden durchaus gelungen. Dennoch funktioniert die Serie eher als Plot-getriebenes Spannungsstück und weniger als psychologisch fein geschwungenes Pinselwerk über Agentenleben wie in den besten Verfilmungen von John le Carré. Der Starautor wusste als jemand, der einst selbst beim Geheimdienst tätig war: Dieser Job ist für normale Menschen eigentlich nicht auszuhalten. Den Verlust der Persönlichkeit und die Paranoia des ewigen Versteckens - all das wird wohl niemals wieder jemand so beklemmend beschreiben wie John le Carré, dessen Welt auch diese Serie nacheifert.
"Widow's Bay" - Apple TV
Es ist eine merkwürdige Insel, etwa 40 Meilen vor dem Festland von New Jersey: Die Zeit scheint in den 80-ern stehen geblieben zu sein, die abergläubischen Einwohner erzählen sich Schauermärchen von Hexen und dem Boogeyman. Alles Humbug, findet Bürgermeister Tom Loftis (Matthew Rhys) und will dem Ort neues Leben einhauchen. Das gelingt ihm zwar, allerdings hatten die Einwohner recht: Ihre Insel ist verflucht - und so prallt in der formidablen Serie "Widow's Bay" ab Mittwoch, 29. April, bei Apple TV beflissene Sachlichkeit auf wahr gewordene Albträume.
Es gibt kaum Handyempfang, aber immerhin ein gut ausgebautes Festnetz: Wer in "Widow's Bay" wohnt, ist gefangen in der Vergangenheit und das wortwörtlich. Man kommt hier einfach nicht weg. Die Insel lässt ihre Kinder nicht los. Wer es dennoch versucht, ist ziemlich schnell tot. Das wissen alle, nur nicht der völlig überforderte Tom Loftis. Doch er wird das in den zehn Episoden schon lernen - gezwungenermaßen. Irgendwo zwischen "Der Weiße Hai" und Stephen King-Romanen, zwischen "Der Nebel des Grauens" und den "Goonies" vermengt die Serie beängstigende Horrormomente mit fantastischer Comedy. Man weiß manchmal nicht, ob man schreien oder lachen soll, und macht dann beides gleichzeitig.
"The Miniature Wife" - WOW
Für manche Männer ist es schwer zu ertragen, wenn die eigene Ehefrau erfolgreicher ist als sie selbst. Aber muss man sie deswegen gleich auf Puppengröße schrumpfen? Okay, der Wissenschaftler Les Littlejohn (Matthew Macfadyen) hat seine Frau Lindy (Elizabeth Banks) nicht absichtlich verkleinert. Doch nun wohnt die Pulitzer-Preisträgerin in einem Puppenhaus: "The Miniature Wife" (ab Donnerstag, 30. April, bei Sky und WOW) hätte das Zeug zu einer gesellschaftskritischen Satire gehabt, entscheidet sich aber für eine Screwball-Comedy und verschenkt viel Potenzial.
"Die Wahrheit ist: Ich habe es geschafft, meine Frau sehr, sehr klein zu machen", stellt Les nach dem Unfall fest. Jetzt kann er sich endlich groß fühlen, zu lange stand er in Lindys Schatten. Les schielt seit Jahren auf den Nobelpreis, will mit seiner Technologie den Hunger in der Welt besiegen. Das Schrumpfen klappt relativ gut, die Rückvergrößerung hingegen nicht. Also bleibt Lindy erst einmal eine Gefangene in ihrer Miniaturwelt, und das Leben wird noch komplizierter.
Eigentlich wäre das der perfekte Stoff für eine schwarze Komödie über Machtverhältnisse in einer Ehe im Speziellen und im Patriarchat im Allgemeinen. "The Miniature Wife" beschränkt sich aber lieber auf die absurden Momente und - immerhin - ein paar ganz große Emotionen. Das ist ziemlich sorglos.
"My Ex" - ZDFmediathek
Eigentlich will Ivy (Palina Rojinski) in der Serie "My Ex" (ab Montag, 27. April, ZDFmediathek) nur eines: endlich die große Liebe finden. Klingt simpel, ist es aber ganz und gar nicht. Nach ihrer jüngsten Beziehung steht die impulsive Interior-Designerin vor einem emotionalen Neustart, inklusive Chaos, Selbstzweifeln und jeder Menge Fragen. Auf dem Junggesellinnenabschied einer Freundin bekommt das ganze Drama dann eine überraschende Wendung: Eine Tarot-Lesung verkündet, dass ihre große Liebe irgendwo in ihrer Vergangenheit steckt. Na toll!
In der sechsteiligen ZDF-RomCom-Serie macht sich Ivy also auf die Mission, ihre, wie der Titel schon verrät, Ex-Partner noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und diese Reise ist alles andere als langweilig. Ihre bisherigen Beziehungen reichen von übergriffiger Mutterbindung bis hin zu toxischer Abhängigkeit. Kurz gesagt: ein emotionales Best-of, auf das man eigentlich gern verzichten würde. Trotzdem sucht Ivy in den turbulenten Folgen nach etwas, das sie bisher nie wirklich gefunden hat, das aber vielleicht doch noch auf sie wartet.
Damit das Ganze noch ein bisschen spannender wird, tickt auch noch die Uhr. Der Tarot-Leser hat ihr nämlich eröffnet, dass sie genau drei Monate Zeit hat. Kein Druck also. Zum Glück steht Ivy das Chaos nicht allein durch. Ihr bester Freund Phillip (Helgi Schmid) begegnet der ganzen Sache mit wissenschaftlicher Skepsis, während seine Freundin Flo (Caro Cult) fest an Astrologie glaubt und Ivy eher anfeuert als bremst. Und dann ist da noch Jobst (Max Schimmelpfennig), Phillips chaotischer Bruder, der seit über einem Jahr bei ihm wohnt und zuverlässig für zusätzliche Turbulenzen sorgt. Zwischen schrägen Begegnungen, alten Gefühlen und neuen Erkenntnissen merkt Ivy irgendwann, dass es vielleicht gar nicht nur darum geht, die Vergangenheit aufzuräumen, sondern auch die Gegenwart endlich zu verstehen. Die Serie ist witzig, charmant und manchmal herrlich unangenehm ehrlich.



