"Lanz + Precht"

Lanz und Precht kritisieren im Podcast die deutsche Israel-Debatte: "Völlig vermintes Terrain"

24.04.2026 von SWYRL/Jens Szameit

Wie viel Kritik an der Politik Israels ist nötig - und in Deutschland möglich? Um heikle Frage wie diese geht es in der aktuellen "Lanz+Precht"-Folge. Precht spricht über die Angst, missverstanden zu werden, Lanz über Meinungsfreiheit.

"Das Thema, um das es geht, ist eines der schwierigsten in der deutschen Politik und auch für uns heute", sagt Markus Lanz eingangs seiner neuen Podcast-Folge fürs ZDF. Es sei "eine große Herausforderung, das gut zu machen".

"Wie viel Kritik an der Politik Israels ist nötig, wie viel ist eigentlich möglich? Was bedeutet deutsche Staatsräson für ein Israel unter Netanjahu, und wie stehen wir zu einem befreundeten Staat, der innenpolitisch und auch außenpolitisch autoritärer und illiberaler auftritt?" Um solche Fragen geht es aktuell bei "Lanz+Precht". Wer wüsste besser, wie heikel das Feld ist, als Richard David Precht. Lanz' Diskussions-Partner hatte vor rund zwei Jahren nach Podcast-Aussagen über orthodoxe Juden den Vorwurf kassiert, er verbreite antisemitische Klischees.

Gleiches soll nicht noch einmal passieren. Lanz und Precht wägen ihre Worte in der neuen Folge spürbar gewissenhaft ab. Und doch wollen sie dezidiert nicht um den heißen Brei reden. "Mir begegnet das ganz häufig in der Sendung", sagt ZDF-Talker Lanz. "'Wo steht Deutschland?' Und dann kommt sozusagen wie aus der Pistole geschossen: 'Fest an der Seite des Völkerrechts. Und fest an der Seite Israels.' Das sagen der Kanzler und der Außenminister. Ohne zu merken, dass das ein Widerspruch ist."

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"Man hat Angst, dass man sofort missverstanden wird"

Nach einem Exkurs über die auch in Israel selbst umstrittene Siedlungspolitik der Regierung Netanjahu bemerkt Lanz: "Wenn man das kritisiert, kommt ganz, ganz schnell der Vorwurf des Antisemitismus." Daraus habe sich eine interessante Debatte ergeben, die aber "in großen Mainstream-Medien" kaum stattfinde: nämlich "darüber, ob wir es mittlerweile auf diese Art und Weise zu tun haben in Deutschland mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit".

Als es später im Gespräch um die Verhältnismäßigkeit der israelischen Kriegsführung im Südlibanon geht, übt Lanz erneut Medienkritik: "Diese Debatte über das, was da passiert, nehme ich so in der breiten Öffentlichkeit nicht wahr." Auf die Frage nach dem Warum sagt der vielfach Shitstorm-geplagte TV-Philosoph Precht: "Man hat Angst, dass man sofort missverstanden wird, dass einem irgendein Detailfehler nachgewiesen wird. (...) Weil man eben weiß, dass es im allerweitesten Sinne des Wortes ein völlig vermintes Terrain ist, auf das man sich da begibt."

Am Ende der Folge formuliert Markus Lanz eine so sorgsam gewogene Forderung, dass man sie im Ganzen zitieren muss: "Es muss möglich sein, mit den Opfern auf beiden Seiten mitzufühlen. Es muss außerdem möglich sein, sowohl an einer Demonstration gegen das Massaker des 7. Oktober als auch an einer Demonstration gegen das Leid in Gaza teilzunehmen. Und es muss uns auch möglich sein, die Netanjahu-Regierung zu kritisieren und gleichzeitig bereit zu sein, jederzeit für die Unversehrtheit von Jüdinnen und Juden hier in Deutschland einzutreten. Ich glaube, das ist das ganze Fazit am Ende dieses Gesprächs."

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

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