Künstliche Intelligenz

"Möchte nicht Teil meiner eigenen Abschaffung sein": Synchronsprecher verweigern Netflix-Vertrag wegen KI

08.06.2026 von SWYRL/Jan-Niklas Jäger

Produktionsfirmen setzen immer stärker auf Künstliche Intelligenz, so auch Netflix. Der Streaminganbieter möchte Synchronsprecher durch eine Vertragsklausel dazu verpflichten, ihre Stimmen für KI-Schulungen zur Verfügung zu stellen - doch die stellen sich quer.

Ihre Namen kennt kaum jemand, ihre Stimmen fast jeder: Synchronsprecherinnen und -sprecher sind die unbesungenen Helden der Film- und Fernsehlandschaft. Eine Standardpraxis in der Branche steht nun wegen eines Streits rund um das Thema Künstliche Intelligenz auf dem Spiel: Bekanntere Schauspielerinnen und Schauspieler haben in der Regel feste Synchronsprecherinnen oder -sprecher, damit das Publikum nicht von ständig wechselnden Stimmen der Stars irritiert werden.

Kunden von Netflix werden auf diesen Wiedererkennungsfaktor bei einigen Produktionen erst einmal verzichten müssen. Denn bekannte Synchronsprecherinnen und -sprecher wie Martin Umbach, Matti Klemm, Anne Vielhaben und Natascha Geisler weigern sich, ihre Unterschriften unter einen neuen Vertrag zu setzen, der eine umstrittene KI-Klausel beinhaltet. Diese sieht vor, dass die Synchronsprecherinnen und -sprecher Netflix das Recht geben, ihre Stimme für KI-Training zur Verfügung zur stellen. Eine zusätzliche Vergütung dafür sieht der Vertrag nicht vor.

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"Wenn ich das unterschreibe, unterschreibe ich meine künstlerische Enteignung."

Martin Umbach etwa kennt man als Sprecher von Hollywood-Stars wie George Clooney und Russel Crowe. Letzterer wirkt an einer neuen Netflix-Produktion mit - eigentlich ein Job für Umbach. "Nun steht die Synchronisation eines neuen Netflix-Films mit Russell Crowe an", sagt der in einem Video auf seinem Instagram-Profil. "Und ich werde diesmal nicht dabei sein." Seine "künstlerische Arbeit" möchte Umbach nicht "als Trainingsmaterial zur Verfügung stellen". "Schauspiel entsteht für mich aus Lebenserfahrung, Intuition, Empfindsamkeit, Empathie, Widersprüchen, Verletzlichkeit. Also etwas zutiefst Menschlichem", begründet er den Schritt.

Auch Jennifer Lopez wird in dem Netflix-Film "Office Romance" wohl mit einer ungewohnten Stimme ausgestattet werden. Ihre Sprecherin Natascha Geisler verweigert die Unterschrift des Vertrags genauso wie Anne Vielhaben, die ihre Arbeit als Sprecherin bei der Animationsserie "Winx Club" nur schweren Herzens aufgibt. Die Figur der Tecna sprach sie seit 2004 bereits bei der ursprünglichen Nickelodeon-Produktion, die seit 2025 von Netflix fortgesetzt wird. "Ich verzichte hier auf ein Projekt, das ich seit über 20 Jahren liebe - und auf wichtige Einnahmen", betont Vielhaben ebenfalls auf Instagram und konkretisiert: "Ich tue es, um ein Zeichen zu setzen. Ich möchte nicht Teil meiner eigenen Abschaffung sein."

Auch Jason Momoa wird in einer neuen Netflix-Produktion zum ersten Mal seit zehn Jahren anders klingen, weil Matti Klemm genauso wenig Verständnis für den KI-Vorstoß des Streaminganbieters zeigt. "All mein Können, all meine Fertigkeiten, die ich mir in den letzten Jahrzehnten erarbeitet habe, soll ich auf einmal herschenken", empört er sich auf Instagram. "Wenn ich das unterschreibe, unterschreibe ich meine künstlerische Enteignung."

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