28.01.2026 von SWYRL/Marko Schlichting
Sie gehört zu den bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Jetzt hat sich Uschi Glas in einem Buch mit der Vergangenheit ihrer Familie beschäftigt. Für die Zukunft hat sie derweil einen ganz besonderen Wunsch.
Sie hat den deutschen Film geprägt wie kaum eine andere Schauspielerin. Doch sie hat sich auch mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinandergesetzt, vor allem mit der ihres Vaters: Uschi Glas. Am Dienstagabend ist die 81-Jährige bei Sandra Maischberger in der ARD zu Gast. Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945. Grund genug für die Moderatorin, mit der Schauspielerin auf eine ganz persönliche Geschichte zurückzublicken.
"Du bist unwiderstehlich: Wahrheit", so heißt ihr Buch, das jetzt erschienen ist. Darin sprechen Uschi Glas und Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, miteinander. "Die Lüge wird zur Wahrheit erhoben", mahnt die Schauspielerin. "Dagegen muss man angehen." Darum habe sie dieses Buch veröffentlicht. "Wir sind heute in einer Situation auf dem ganzen Erdball, von der ich nie gedacht hätte, dass wir dahinkommen", sagt Uschi Glas über die aktuelle Politik. "Es ist beängstigend, dass bei uns die demokratischen Menschen, die die Demokratie wollen, so still sind und nichts sagen, und dass die anderen von links und von rechts die Demokratie bedrängen. Und wenn wir, die stillen Menschen, die denken, es sei gut, dass wir die Demokratie haben, nicht aufstehen, dann sieht es bei uns eng aus."
Wie die Wahrheit verdreht werden kann, hat Uschi Glas in ihrer eigenen Familie erfahren. Ein Ahnenforscher habe ihr dabei geholfen. Der habe herausgefunden, dass ihr Vater bereits 1931 Mitglied der NSDAP wurde. "Da war er 18", so Glas. 1944 trat der Vater in die Waffen-SS ein und wurde auf dem Balkan stationiert. "Das war für mich nicht so überraschend. Wenn er Widerstandskämpfer gewesen wäre, hätte er es auch sagen können." Er sei laut einem Protokoll zwangseingezogen worden und dann Funker gewesen, erzählt die Schauspielerin. "Wenn du das dann schwarz auf weiß liest, dann tut es dir sehr weh." Ihr sei klar geworden, dass ihr Vater wie viele andere "hineingeschlittert" sei. Heute sagt sie, so etwas könne immer wieder passieren. "Ich bin traurig, wenn ich sehe, wie wenig Menschen ihre eigene Demokratie verteidigen wollen und was es bedeutet, wenn man zu Hause bleibt."
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Uschi Glas: Sind "heute in einer Situation sind, die wir bisher nicht gehabt haben"
Ihr Vater habe sie immer ermahnt, am Abend in den Spiegel schauen zu können, bei allem, was sie tue. "Jetzt denke ich: Vielleicht hat er bereut, dass er da reingeschlittert ist und nicht in den Spiegel geschaut hat, sondern wollte gar nicht mehr reinschauen." Sie habe von ihrem Vater gelernt, auch in ihren erfolgreichsten Zeiten am Boden zu bleiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich ihr Vater bei der SPD, während Uschi Glas selbst der CSU nahesteht. Sie sei immer Unternehmerin gewesen, auch als Schauspielerin, erklärt Uschi Glas.
"Und wenn ich unternehmerisch tätig bin, dann bin ich dort besser aufgehoben." Zu Beginn ihrer Karriere sei das schwer gewesen. "Die Achtundsechziger waren schon sehr weit links. Und ich war damals das Schätzchen und habe dem deutschen Film auf die Beine geholfen. Die haben gedacht: Jetzt gehört sie zu uns, und der Kommunismus ist so toll, und sie haben die DDR gelobt, obwohl sie nie dort waren. Und da habe ich gesagt, dass ich nicht dabei bin. Dann haben sie gesagt: Dann bist du draußen."
Uschi Glas hat Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl kennengelernt. Heute habe sie Sympathie für Bundeskanzler Friedrich Merz: "Ich glaube, dass wir heute in einer Situation sind, die wir bisher nicht gehabt haben. Die Wirtschaft geht runter. Solange ich denken kann, ging es mit unserem Land immer aufwärts. Man hätte damals nicht gedacht, dass wir noch einmal in so eine Situation kommen wie heute." Ihr ist klar: "Wenn wir uns das leisten wollen, was wir gerne hätten, dann muss die Wirtschaft wieder flutschen." Es laufe nicht gut in Deutschland, findet Uschi Glas. Darum stimme sie Merz im Prinzip zu, wenn er die Deutschen zu mehr Arbeit auffordert. "Aber das kann man natürlich nicht so pauschal sagen."
Auch für ein höheres Renteneintrittsalter kann sich die Schauspielerin erwärmen, wenn Menschen zur Arbeit in der Lage sind. Kein Wunder: Glas selber ist mit über 80 Jahren noch immer voll dabei. Sie ist dabei nicht nur Schauspielerin, sie leiste auch sehr viel ehrenamtliche Arbeit. "Das finde ich sehr wichtig", sagt Uschi Glas.
Vor 60 Jahren kam der erste Film in die Kinos, in dem sie eine Hauptrolle spielte. Besonders stolz ist sie aber auf die "Fack ju Göhte"-Filme. "Das Comeback fand ich sehr bemerkenswert." Einen Wunsch hat sie für ihre Zukunft noch: "Ich möchte mal eine richtige grantige, bayerische Bauersfrau spielen", lacht Uschi Glas. Und irgendwie kann man sich Uschi Glas in so einer Rolle richtig gut vorstellen. Obwohl: Eigentlich hat sie bewiesen, dass sie alles kann.



