Boney M. - Disco. Macht. Legende - Mo. 11.05. - ARD: 23.20 Uhr

Vom Mief hinter dem Glamour

10.05.2026 von SWYRL/Rupert Sommer

Mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial sowie privaten Aufnahmen entsteht ein umfassendes Bild von Boney M. als Pop-Phänomen. Der Film zeigt eine Band, die Millionen begeisterte - und zugleich exemplarisch für ein Business steht, das Stars formt, inszeniert und oft auch verschleißt.

Mit dem nicht nur für treue Fans durchaus aufwühlenden Musik-Dokumentarfilm "Boney M. Disco. Macht. Legende" blickt die ARD auf eine der schillerndsten Popgruppen der Disco-Ära zurück. Er erzählt die Geschichte hinter Welthits wie "Rivers Of Babylon", "Ma Baker" oder "Rasputin"und zeichnet mit nicht immer komplett distanziertem Blick ein vielschichtiges Porträt einer Band, die weit mehr war als ein reines Studio- oder Castingprojekt. Es ist der typische Spagat eines Beitrags, der nicht ganz verheimlichen kann, dass seine Macher auch Anhänger sind - und das bleiben wollen.

Boney M. prägten in den 1970er-Jahren das Bild der internationalen Disco-Kultur wie kaum eine andere Formation. Ihre Songs wurden zu globalen Klassikern, ihre Auftritte zu festen Größen im Fernsehen und auf den Tanzflächen weltweit. Bis heute hat die Gruppe rund 150 Millionen Tonträger verkauft und zählt damit - neben ABBA und den Bee Gees - zu den erfolgreichsten Acts ihrer Zeit. Selbst Jahrzehnte später wirkt ihr Einfluss nach: So griff Lady Gaga für ihren Hit "Poker Face" Elemente von "Ma Baker" auf, während "Rasputin" zuletzt auf Social Media ein weltweites Comeback feierte.

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Viel Geschichte, wenig Glanz

Auch kulturhistorisch setzten Boney M. Maßstäbe: Bereits 1978 trat die Gruppe als erste westliche Popband in Moskau auf - noch vor internationalen Größen wie Elton John. International gefeiert, wurde die Gruppe in Deutschland jedoch lange kritisch gesehen und häufig als "Retortenprojekt" oder "Plastikmusik" abgetan.

Der Film nimmt genau diese Widersprüche durchaus kritisch in den Blick und erzählt die Geschichte hinter dem Glamour. Im Mittelpunkt stehen die beiden Sängerinnen Liz Mitchell und Marcia Barrett, die von ihren Erfahrungen berichten: von den miefigen Anfängen über den internationalen Durchbruch bis hin zu den Schattenseiten des Erfolgs. Sie sprechen über Alltagsrassismus im verstockten, lange noch alles andere als weltoffenen Deutschland der 1970er-Jahre, über kreative Konflikte und den Druck einer Musikindustrie, die stark von Vermarktungslogiken geprägt war.

Zugleich beleuchtet die Dokumentation die Rolle von Produzent Frank Farian, der als kreativer Kopf hinter Boney M. gilt. Mit einem feinen Gespür für Hits machte er die Gruppe zum globalen Phänomen, kontrollierte jedoch zugleich viele Aspekte ihrer Karriere. Der Film greift auf eines seiner letzten großen TV-Interviews des am 22. Januar 2024 verstorbenen Masterminds zurück und zeigt bislang unveröffentlichtes Material.

Neben Zeitzeugen und Wegbegleitern ordnen auch Experten die Bedeutung der Band ein. Dabei geht es unter anderem um Fragen von Identität, Vermarktung und kultureller Aneignung - und darum, wie stark Image und Inszenierung den Erfolg von Popmusik beeinflussen können.

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