Letzte Folge der Polit-Talkshow

Von der Zeitungsausträgerin zur Talkmasterin: Am Sonntag bittet Anne Will zur letzten Runde

29.11.2023 von SWYRL/Marina Birner

"Politisch denken, persönlich fragen" - das ist das bekannte Motto von Anne Will. Nach 16 Jahren gibt die Talkmasterin nun das Zepter weiter: Ihre Polit-Talkshow am Sonntagabend im Ersten wird im neuen Jahr von Caren Miosga moderiert. Am ersten Advent bittet Anne Will ein letztes Mal zum ARD-Talk. Der perfekte Anlass, um auf die Karriere der 57-Jährigen zu blicken.

Sie werden immer beliebter und für die gesellschaftliche Meinungsbildung immer relevanter: Politische Talkshows sind seit Jahren hoch im Kurs. Ob "maischberger", "Markus Lanz", "Hart aber Fair" oder "Maybrit Illner" - spätabendliche Debatten, in denen sich alles um Politik, Gesellschaft und Zeitgeschehen dreht, sind nicht mehr wegzudenken aus der deutschen Fernsehlandschaft, die Quoten sprechen für sich. "Anne Will" gilt als das wichtigste, weil quotenstärkste Format. Auch dank des starken Sonntagabend-Krimis, der stets unmittelbar vor der Sendung läuft.

Am Sonntag, 3. Dezember, 21.45 Uhr, moderiert die 57-Jährige nach 16 Jahren und 553 Folgen zum letzten Mal den nach ihr benannten Polit-Talk im Ersten und übergibt den Staffelstab zum Jahreswechsel an Caren Miosga (54). Anne Will hat fraglos ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben. "2024 ist ein Neustart angesagt! Dann ist Zeit für Veränderung, andere Projekte, neue Perspektiven", verkündete die Tochter eines Schreinermeisters und einer ehemaligen Postangestellten Anfang des Jahres ihre Entscheidung.

Die gebürtige Kölnerin, die mittlerweile in Berlin lebt, studierte Geschichte, Politologie und Anglistik in Köln und Berlin. Nach diversen Aufgaben setzte Anne Will kurz vor der Jahrtausendwende einen Meilenstein: 1999 moderierte sie als erste Frau die ARD-"Sportschau". Im Jahr 2000 reiste sie nach Sydney, um für die ARD von den Olympischen Spielen zu berichten. Ein Jahr später folgte die nächste große Herausforderung: Als Moderatorin der "Tagesthemen" präsentierte die eloquente Brünette, die in jungen Jahren ihr erstes Geld mit dem Austragen von Zeitungen verdiente, von 2001 bis Juni 2007 die Nachrichten.

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Anne Wills Motto: "Politisch denken, persönlich fragen"

"Guten Abend und Hallo. Ich freue mich, dass Sie da sind": Anne Will begrüßte in 16 Jahren Polit-Talk-Geschichte zahlreiche Schwergewichte aus Politik und Gesellschaft. Am 16. September 2007 hieß sie zum ersten Mal Gäste in ihrer eigenen Talk-Sendung am Sonntag, direkt nach dem Kieler "Tatort", willkommen. Im Jahr 2011 übernahm Günther Jauch mit seinem Polittalk vorübergehend diesen Sendeplatz, woraufhin "Anne Will" auf den späten Mittwochabend verschoben wurde. Seit 2016 läuft das Format wieder auf dem ursprünglichen Sendeplatz.

Mittlerweile kann sie auf elf Staffeln zurückblicken. "Zeit Online" bezeichnete sie ganz zu Recht einst als "mutige Fragerin". Unter dem Motto "Politisch denken, persönlich fragen" nahm sie so manchen Spitzenpolitiker in die Mangel und lockte Experten aus der Reserve. Fernsehdeutschland wird sich wohl noch lange an den scharfen Blick und die hochgezogene Augenbraue von Anne Will erinnern ...

"Man darf sich auch echt mal reinschmeißen": Anne Will über ihr Erfolgsgeheimnis

"Wenn du dich im Beruf durchsetzen willst und dir was erobern willst, dann darf man sich da auch echt mal reinschmeißen. Gerade wenn man jung ist", betonte die Journalistin einst im Podcast "Hotel Matze". Immerhin weiß sie aus eigener Erfahrung, welchen Kampf Frauen in der Medienbranche zu kämpfen hatten - und teilweise noch immer zu kämpfen haben.

Im Oktober 2007 - nur wenige Wochen nach ihrem Debüt als Talkmasterin - erhielt Anne Will den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis "für ihre unabhängige Haltung und ihre unaufgeregte, aber stets kompetente Präsentation der Ereignisse des Tages". Noch im selben Jahr gesellte sich der Goldene Prometheus als "Fernsehjournalistin des Jahres 2007" auf den Kaminsims. Bereits in den Jahren zuvor hatte sie renommierte Preise wie die Goldene Kamera (2002) und den Deutschen Fernsehpreis für die "Beste Moderation Information" (2006) erhalten. Darüber hinaus ist Anne Will Botschafterin für den "Raum der Namen" im Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Übrigens: "Rendite statt Respekt - wenn Arbeit ihren Wert verliert", hieß der Titel ihrer ersten Sendung. Das Thema für die letzte "Anne Will"-Ausgabe steht laut ARD derzeit noch nicht fest. - "Bester Beweis für die gleichbleibende Aktualität der Sendung", heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

"Immer auf den Punkt perfekt vorbereitet"

NDR-Intendant Joachim Knuth befindet: Anne Will habe mit ihrer Sendung "viele Jahre lang maßgeblich zur politischen Meinungsbildung in Deutschland beigetragen". Er "danke Anne Will für ihre sichere, verlässliche Navigation durch die intensiven Nachrichtenlagen der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte und ihre gleichbleibend große, nie erlahmende journalistische Neugierde".

Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin, gab am Mittwoch zu Protokoll: "Der Sonntagabend im Ersten ohne Anne Will - eigentlich kaum vorstellbar". So sehr habe Anne Will den politischen Talk der ARD "mit ihrer journalistischen Kompetenz, mehr aber noch mit ihrem konsequent nachhakenden, präzisen Moderationsstil und ihrer kraftvollen Persönlichkeit geprägt. Immer auf den Punkt perfekt vorbereitet, in der Gesprächsführung stets klug agierend, durchsetzungsstark und reaktionsschnell".

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