29.01.2026 von SWYRL
Seit 25 Jahren präsentiert Marietta Slomka das "heute journal" im ZDF. Die Existenz eines unabhängigen Rundfunks hält sie angesichts autoritärer Entwicklungen nicht für selbstverständlich, auch die Öffentlich-Rechtlichen könne "man zerschlagen", so die 56-Jährige.
Vor genau 25 Jahren moderierte Marietta Slomka im ZDF zum ersten Mal das "heute journal". Seither ist die heute 56-Jährige aus dem öffentlich-rechtlichen Nachrichtenfernsehen nicht mehr wegzudenken. Dass der unabhängige Rundfunk und die Pressefreiheit heute angesichts anti-demokratischer Entwicklungen bedroht sein könnten, sieht sie indes mit Sorge: "Ich glaube, dass ein unabhängig finanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk wirklich wichtig ist", so Slomka im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau: "Aber machen wir uns nichts vor - auch die Öffentlich-Rechtlichen kann man zerschlagen. Wenn man Staatsverträge abschafft oder die Verfassung und das Grundgesetz angreift. All das wäre wohl möglich."
Eine Demokratie brauche "eben auch genügend Demokraten. Eine Bevölkerung, die Dinge sieht, wahrnimmt und abwehrt. Nur mit Gesetzen kommt man da im Zweifelsfall nicht weiter", mahnt die ZDF-Moderatorin. Gerade mit Blick auf die USA habe sie "schon die Sorge, dass wir hier ähnliche Entwicklungen bekommen". Aus dem Blickwinkel der Journalistin habe sie es in den letzten etwa als Zäsur empfunden, "als während der ersten Amtszeit von Trump eine Sprecherin des Weißen Hauses von 'alternativen Fakten' sprach, als sie darauf hingewiesen wurde, dass ihre Aussagen nicht stimmten".
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"Das bedrückt mich auch"
Man habe, so Slomka im Interview mit der teleschau, "in den USA eine demokratisch gewählte Regierung, die aber autokratische Ambitionen zeigt". Daraus mache auch Donald Trump selbst "eigentlich keinen Hehl": "Wenn er etwa sagt, er könne tun und lassen, was er will - und das einzige, was ihn beschränke, sei seine Moral. Oder wenn er sich wie ein König darstellt und der jeden, der ihn hinterfragt, beschimpft und bedroht." Man könne sehen, so Slomka, was diese Veränderungen für die Medien in den USA bedeuteten: "Da wird Pressefreiheit beschnitten, auch über Methoden, die eher finanzieller Art sind." Neu sei das Slomka zufolge nicht, man müsse etwa nur nach Ungarn schauen: "Das haben viele vielleicht nicht wahrgenommen, weil es das deutsche Publikum nicht so betrifft, aber dort konnte man sehen, wie so etwas funktioniert."
Dass heute auch in Deutschland vermehrt von "Lügenpresse" die Rede ist, hält Slomka nicht nur für ein Phänomen einer kleinen Gruppe: "Es ist schon weit mehr als eine Blase. Wenn sich dieses Reden immer wiederholt und Kampagnen-artig einträufelt, hat das auch Wirkung. Ich denke nicht, dass wir davon unberührt sind. Und das bedrückt mich auch." Auf ihre Arbeitsweise und insbesondere auf ihre bisweilen Aufsehen erregenden Interviews würden sich diese Entwicklungen jedoch nicht auswirken. "An meiner Herangehensweise an Interviews hat sich in den letzten 25 Jahren eigentlich nichts verändert", betont Slomka im teleschau-Gespräch. Wenn Interviewpartner aus der Politik "mal kraftvoll zupacken in ihren Reaktionsmustern und ihrer Rhetorik" fände sie das "nicht verkehrt, im Gegenteil". Entscheidend sei, "ob man sich auf Diskurs einlässt, und ob es Politiker grundsätzlich akzeptieren, hinterfragt zu werden. Das ist der Knackpunkt".



