"Schneewittchen"

Eine Prinzessin findet ihre Stimme

20.03.2025 von SWYRL/Elisa Eberle

Mit "Schneewittchen" setzt Disney den Reigen seiner Remakes fort. Rachel Zegler und Gal Gadot können in den Hauptrollen überzeugen, doch am Ende fehlt dem Film ein wenig der Mut.

In der Unternehmensgeschichte der Walt Disney Company genießt "Schneewittchen und die sieben Zwerge" einen ganz besonderen Stellenwert: Der Film, basierend auf dem Märchen "Schneewittchen" der Gebrüder Grimm, erschien 1937 als erster abendfüllender Zeichentrickfilm des Unternehmens. Durch seinen überwältigenden Erfolg legte er den Grundstein für viele weitere Familien-Zeichentrickfilme, die im Laufe der Jahre folgten. Generationen von Kindern wuchsen mit den handgezeichneten Bildern der gelb-blau gekleideten Prinzessin mit der schwarzen Kurzhaarfrisur auf. Als Disney 2016 bekannt gab, nach "Alice im Wunderland" (2010) auch eine Live-Action-Version von "Schneewittchen" produzieren zu wollen, waren die Erwartungen entsprechend groß. Jetzt ist das neue "Schneewittchen" (Regie: Marc Webb) endlich im Kino zu sehen.

Die altbekannte Geschichte bleibt im Großen und Ganzen erhalten: Die Prinzessin Schneewittchen (Rachel Zegler, "West Side Story", "Die Tribute von Panem - Das Lied von Vogel und Schlange") wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Stiefmutter, der bösen Königin (Gal Gadot, "Wonder Woman"), auf. Die eitle Frau interessiert sich einzig und allein für ihre Macht und Schönheit. In Schneewittchen, die mit den Jahren immer schöner wird, sieht sie eine Bedrohung. Also beauftragt sie den Jäger (Ansu Kabia), das Mädchen im Wald zu töten. Der Jäger bringt es jedoch nicht übers Herz. Er schickt Schneewittchen stattdessen tiefer in den Wald, wo sie letztlich Zuflucht im Haus der sieben Zwerge findet.

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Viel Kritik im Vorfeld

Die Darstellung der sieben Zwerge sorgte im Vorfeld für Diskussionen: Ursprünglich sollten sie mit kleinwüchsigen Schauspielern besetzt werden. Nach heftiger Kritik (unter anderem von "Game of Thrones"-Star Peter Dinklage) wurden die Zwerge, die im Film als "magische Kreaturen" vorgestellt werden, per Motion-Capture-Technik animiert. Das Ergebnis muss man leider als weniger gelungen bewerten: Irgendwie wollen diese so offensichtlich am Computer generierten Figuren einfach nicht so recht zum Schneewittchen aus Fleisch und Blut passen. Das Gleiche gilt für die vielen Tiere: Igel, Rehe und Hasen sind verglichen mit ihren realen Vorbildern in der Natur einfach ein Stück weit zu süß. Viele der ebenfalls Computer-animierten Szenerien können dagegen besonders durch ihre märchenhafte Farbenpracht punkten.

Die Verpflichtung von Rachel Zegler für die Titelrolle war ebenfalls nicht unumstritten: Die Tochter eines Kolumbianers schien für manche nicht zum Schneewittchen zu passen. Auch soll es hinter den Kulissen heftig zwischen der 23-Jährigen und Co-Star Gal Gadot geknirscht haben, weil die beiden Frauen im Israel-Palästina-Konflikt ganz unterschiedliche Positionen vertreten. Letztlich können beide in "Schneewittchen" überzeugen.

Gelungen, aber am Ende fehlt der Mut

Nun ist es für viele Menschen immer eine höchst emotionale Sache, wenn die eigenen Kindheitshelden plötzlich in einem neuen Gewand auftreten. Im Fall von "Schneewittchen" müssen sie auch noch mit einer Vielzahl neuer Songs zurechtkommen. Sieht man den neuen "Schneewittchen"-Film allerdings als Versuch, die altbekannte Geschichte einer neuen Generation nahezubringen, so ist der Film durchaus gelungen.

Zur im Vorfeld großspurig angekündigten zeitgemäßen Modernisierung des alten Stoffs fehlte Disney aber leider doch ein wenig der Mut. Ja, Schneewittchen hat in der neuen Version mehr Profil. Sie entdeckt zweifellos "ihre eigene Stimme und ihre eigene Bestimmung", wie es die Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson beschreibt. Sie widerspricht der bösen Königin schon früh und verbündet sich später mit Jonathan (Andrew Burnap), der als Anführer einer Gruppe von Banditen die Figur des Prinzen Florian aus dem Original ersetzt. Dieser neue Handlungsstrang hätte aber durchaus noch etwas mehr ausgeschmückt werden dürfen.

Schade ist insbesondere die Darstellung der bösen Königin, die hier einfach nur böse ums Böse-Sein willen ist. Eine kleine Erklärung ihres Charakters wie etwa in der US-Serie "Once Upon a Time - Es war einmal ..." hätte dem Film in einer Zeit, in der auch die reale Welt gefühlt nur noch aus "böse" und "gut" besteht, definitiv gut getan. Die nächste Real-Verfilmung eines Disney-Klassikers steht derweil bereits in den Startlöchern: "Lilo & Stitch" soll am 22. Mai 2025 in die Kinos kommen.

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