Sänger und Schlagzeuger wird 75

"Ich war wohl ein kleiner Klugscheißer": So blickt Phil Collins auf seine Karriere zurück

30.01.2026 von SWYRL/Niels Tenhagen

Er war Genesis-Schlagzeuger und einer der größten Popstars der 80-er - und wurde von Krankheiten und Kritikern gebeutelt: Mit 75 Jahren blickt Phil Collins durchaus kritisch auf seine Karriere zurück.

Es klang wie eine Beichte: In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" bekannte Phil Collins bereits im Jahr 2010, dass er einsehe, dass er in der Vergangenheit vielen Menschen auf die Nerven gegangen ist. Es sei kein Wunder, dass ihn die Leute in den 80er-Jahren nicht gemocht hätten. Aber warum? Weil er wusste, wie man rührigen Kuschelpop in Perfektion produziert? Und weil sich ein paar Radiohörer bis heute davon gefoltert fühlen? Das sollte einen Collins nicht erschüttern, doch der findet: "Ich war wohl ein kleiner Klugscheißer." Klug war er auf jeden Fall: Mehr als 100 Millionen Platten hat der Sänger und Schlagzeuger während seiner Karriere verkauft. Am 30. Januar feiert er nun seinen 75. Geburtstag - und blickt nach viel Selbstkritik und zahlreichen Rückschlägen wieder etwas optimistischer in die Zukunft.

Seit Mitte der 2000er-Jahre wird Collins immer wieder von gesundheitlichen Problemen heimgesucht. Verletzungen während der Genesis-Reuniontour 2007 führten zu Nervenschäden, Gefühlsverlust in den Händen und schließlich dazu, dass Collins nicht mehr Schlagzeug spielen konnte. Tourneen absolvierte er im Sitzen, hinzu kamen Hörprobleme, mehrere Operationen und eine Phase, in der er nach eigenen Angaben zeitweise Alkohol zur Selbstmedikation nutzte, wie er jüngst in einem Interview mit der "BBC" gestand.

In einem aktuellen Interview mit der Journalistin Zoe Ball sprach er von "ein paar schwierigen, frustrierenden Jahren". Er sei inzwischen auf ständige Unterstützung angewiesen; "Ich habe eine 24-Stunden-Pflegekraft, die darauf achtet, dass ich meine Medikamente so einnehme, wie ich es sollte", sagte er. "Ich hatte Probleme mit meinem Knie ... alles, was schiefgehen konnte, ist schiefgegangen."

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Vom Genesis-Schlagzeuger zum Pop-Superstar der 80-er

Nicht mehr Musik machen zu können wie früher, muss ihn schmerzen. Denn schon als Fünfjähriger bekam Collins sein erstes Spielzeug-Drum-Set geschenkt und ging offenbar mit großem kindlichen Eifer ans Werk. "Ich war besessen davon", sagte der Brite in einem Interview. "Jede freie Minute habe ich damit verbracht, Musik im Radio oder Fernsehen zu begleiten." Bevor sich seine Eltern ein professionelles Instrument leisten konnten, sprang angeblich sogar sein Onkel ein und bastelte dem jungen Talent aus der Not heraus eine provisorische Trommel.

Nach einem Abstecher in die Schauspielschule - Collins war 1964 kurz im Beatles-Film "A Hard Day's Night" zu sehen - begann er schließlich seine in der Rücksicht unvermeidliche Musikkarriere. Mit 19 Jahren spielte er bei Genesis vor, die gerade ihren dritten Schlagzeuger binnen drei Jahren verloren hatten. Bereits auf dem ersten gemeinsamen Album, "Nursery Cryme" (1971), durfte er auch einen Gesangspart übernehmen. Nach dem Ausstieg des bis dahin dominanten Sängers Peter Gabriel wechselt Collins 1975 endgültig ans Mikrofon - und bald war auch ein drastischer Stilwechsel der Band zu beobachten. Als Gitarrist Steve Hackett das Quartett verließ, näherte sich die Musik des verbleibenden Trios - Collins, Keyboarder Tony Banks und Gitarrist Mike Rutherford - zunehmend vom Progressive Rock massentauglichem Radio-Rock an, der mit dem kommerziellen Erfolg immer poppiger wurde.

Phil Collins: Nach Rückschlägen bald wieder im Studio

Wo nun genau der Moment einsetzt, an dem sich Collins für sein Werk schämt? "Follow You, Follow Me" war wohl der erste Schmachtfetzen, der so manchen alten Genesis-Fan verschreckt haben dürfte. Klassiker wie "Mama", "Invisible Touch", "No Son Of Mine" und "I Can't Dance" folgten. Oder meinte er seine Solo-Singles? Die unzählbaren Hits des Briten, darunter "In The Air Tonight", "Against All Odds", "A Groovy Kind Of Love", "True Colours" und "You'll Be In My Heart" hatten einen Stammplatz auf "Kuschelrock"-Compilations und waren bald auf romantische Soundtracks wie Disneys "Tarzan" abonniert.

Von Kritikern, die ihn belächelten, fühlte sich der Komponist stets unfair behandelt, verkaufte sich der eingängige Schmalz doch hervorragend. Über 100 Millionen verkaufte Platten und zahlreiche Preise, darunter fünf Grammys und ein Oscar, sind wahrlich kein Grund zur Reue. Und so sieht Collins die Krux auch an anderer Stelle: seiner Person. Er sei der Rolle, in die ihn die Öffentlichkeit drängte, auf den Leim gegangen. "Wahrscheinlich wurde ich zu einer Parodie meiner selbst", sagte er in einem Interview. "Viele sahen in mir einen Durchschnittstypen, einen Familienentertainer wie Cliff Richard. Man beurteilte mich aufgrund einer Handvoll Songs, die im Radio zu Tode gespielt wurden."

Er muss der Musikwelt schon längst nichts mehr beweisen. Nur sich selbst: "Sogar meine Kinder sagen mir inzwischen, dass sie mich cool finden. Ich bin mir da selbst noch nicht ganz sicher. Ich schätze, das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen." Und das nicht nur, was die Wertschätzung seines Schaffens angeht. Nach den jüngsten Knieoperationen bezeichnet er sich selbst als "voll beweglich und gesund". Er könne gehen - wenn auch mit Unterstützung, etwa mit Krücken. Er fühlt sich sogar so gut, dass er darüber nachdenkt, wieder ins Studio zu gehen: "Ich würde gern ein bisschen herumprobieren und sehen, ob noch mehr Musik da ist", erklärt er im BBC-Interview. "Man muss einfach anfangen, um herauszufinden, ob man es kann."

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