04.02.2026 von SWYRL
Regine Hentschel gehört seit Jahren zum Ensemble der ARD-Serie "Nord bei Nordwest". Doch auch ihr fester TV-Job schützte die Schauspielerin nicht vor Existenzängsten, wie sie jetzt in einem Interview verriet.
Regine Hentschel steht seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera. Als Bestatterin Frau Bleckmann aus der ARD-Krimireihe "Nord bei Nordwest" ist sie einem Millionenpublikum bekannt. Doch auch eine feste Serienrolle schützt nicht vor den Schattenseiten der Branche. In einem Interview mit "t-online" sprach die Schauspielerin jetzt offen über Unsicherheit, ausbleibende Engagements und existenzielle Krisen.
Dass es für Frauen mit zunehmendem Alter schwieriger wird, Rollen zu bekommen, erlebt auch sie. Dennoch sagt Hentschel: "Ich habe das Glück, dass ich ein sehr spezieller Typ bin und deshalb ein viel größeres Einsatzfeld als manche andere Schauspielerinnen habe." Dennoch merke sie auch, "dass die Rollen weniger geworden sind." Der Grund dafür liegt für sie im System selbst. "Der Beruf ist unberechenbar. Es gibt wenige Festanstellungen, keine dauerhaften Verträge. Man muss sich von einem Projekt zum nächsten hangeln." Man müsse sich eine dicke Haut zulegen ("Ohne eine gewisse Resilienz schafft man es nicht") und sich zusätzliche Standbeine suchen, so die Schauspielerin.
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Hentschel arbeitet neben der Schauspielerei auch als Coach
Hentschel selbst studierte parallel zur ihrer Schauspielarbeit Sozialarbeit und Pädagogik. Ein Schritt, der sich erst später als entscheidend erwies. "Meine Schauspiellehrer meinten damals, ich soll das Studium bloß abschließen." Lange habe ihr der Abschluss wenig bedeutet. "Heute bin ich dafür dankbar." Er ermöglichte ihr den Weg ins Coaching. Dort profitiert sie von ihren eigenen Erfahrungen. "Ich weiß, wie es ist, Absagen zu kassieren, trotzdem den Glauben an sich aufrechtzuerhalten und perspektivisch planen zu müssen."
Existenzängste kennt sie trotzdem aus erster Hand. Einmal sei es besonders schlimm gewesen. Damals sei ein Bildungsträger pleite gegangen, für den sie gearbeitet hatte: "Das Geld blieb mit einem Mal aus. Ich war verzweifelt. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte." Die Wende kam überraschend. "Dann kam durch Zufall das Casting für einen Werbefilm rein." Dort ließ sie alles heraus. "Ich habe meine ganze Verzweiflung, meine Wut und Angst in meine Improvisation gelegt." Der Mut zahlte sich aus. "Sie haben mich genommen, weil sie genau das haben wollten." Für Hentschel war das mehr als ein Job. "Das war für mich eine Art Therapie - aber auch mein Ausweg aus der Existenzkrise."
Hentschel zog aus der Erfahrung die Lehre, dass es wichtig ist, sich "ein finanzielles Polster zuzulegen." Heute plant sie ihre Ausgaben genau: "Ich lebe nur mit Rücklagen. Ich weiß genau, wie viel ich davon verbrauchen kann." Ihr sei bewusst, dass sie einen "hohen Lebensstandard habe und viel brauche, um glücklich zu sein", deshalb sei ihr klar gewesen, dass meine "meine Arbeit als Schauspielerin dafür nicht ausreicht".



