"Maischberger"

"Jetzt hören Sie auf": Sahra Wagenknecht wird bei Maischberger beim Thema Iran plötzlich laut

04.03.2026 von SWYRL/Marko Schlichting

Seit dem Wochenende ist der Krieg gegen den Iran in eine neue Phase eingetreten. Am Dienstagabend hat Sandra Maischberger in ihrer ARD-Talkshow zwei Politiker zu Gast. Die Diskussion ist teilweise hitzig.

Sahra Wagenknecht hieß früher Sarah. Mit dem h hinten. Da lebte sie noch in der DDR. Dann habe sie beschlossen, ihren Namen zu ändern, schreibt ein Biograph. Die kommunistische Hardlinerin von einst wollte so ihre Solidarität mit dem arabischen Volk zum Ausdruck bringen. Israel und die USA konnte man in der früheren DDR nicht ausstehen. Wie denkt Wagenknecht heute nach dem israelisch-amerikanischen Militärschlag gegen den Iran?

Sandra Maischberger befragt die Gründerin des BSW am Dienstagabend dazu in ihrer Talkshow in der ARD. Auch zu Gast ist der ehemalige FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Er ist im Iran geboren und war elf Jahre alt, als er nach Deutschland kam.

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"Die Gefahr ist riesengroß"

"Es ist eine Mischung zwischen Angst und Hoffnung", beschreibt Djir-Sarai das, was er in den wenigen Telefongesprächen von seinen Verwandten und Bekannten in Teheran hört. "Man hat Angst vor einem Krieg, vor einem großen Krieg, aber auf der anderen Seite haben die Menschen Hoffnung. Die Hoffnung, dass dieser Krieg dazu führen wird, dass die islamische Republik endlich zu Ende geht. Und das ist ja das, wofür die Menschen seit vielen Jahren im Iran kämpfen."

Sahra Wagenknechts Vater ist Iraner. Sie berichtet von Menschen, die Angst haben, bei diesem Krieg ums Leben zu kommen. "Die, die ich kenne, verurteilen das Mullah-Regime. Die wünschen sich nichts sehnlicher als eine demokratische Entwicklung. Aber ich kenne niemanden, der diese Militärschläge begrüßt. Und ich finde auch, die Naivität, wieder dieser Lüge auf den Leim zu gehen, dass man Demokratie und Freiheit herbeibomben kann, ist meines Erachtens nicht mehr nachvollziehbar."

Auch in Afghanistan, Irak und Libyen habe das nicht funktioniert. "Diese gestürzten Regime waren übel. Aber was danach kam, war noch übler. Das waren Chaos, Bürgerkrieg, unglaublich viel Blutvergießen." Über eine Million Menschen seien in diesen Kriegen getötet worden. Wagenknecht fürchtet die Ausweitung des Krieges gegen den Iran. "Und ich fürchte, dass der Iran zerfällt. Die Gefahr ist riesengroß." US-Präsident Donald Trump begehe mit den Militärschlägen auf den Iran ein unglaubliches Verbrechen. Denn er wolle keine Demokratie im Iran.

Djir-Sarai sieht das anders. Er verweist auf die Bilder jubelnder Menschen nach dem Tod des iranischen Staatschefs Chamenei. Auch er glaubt: Demokratie kann man nicht herbeibomben. "Aber wir haben heute eine starke Zivilgesellschaft im Iran. Und die junge Generation heute im Iran ist ganz anders und nicht vergleichbar mit den Generationen aus den Nachbarländern." Die junge Generation im Iran denke pro-westlich und pro-israelisch. "Diese Generationen wollen nicht mehr von Islamisten regiert werden. Sie wollen nicht mehr nach den Regeln der Scharia leben, sondern sie wollen eine westliche Demokratie."

Klar müsse aber auch sein: Würde der Iran eine Demokratie werden, seien die größten Verlierer Russland und China. "Das einige damit ein Problem haben, ist eine andere Sache", so Djir-'Sarai mit Blick auf die russlandfreundliche Wagenknecht-Partei.

"Ist jetzt wirklich das Allerletzte"

Beide sind der Ansicht, dass die Militärschläge gegen den Iran völkerrechtswidrig sind. Doch Djr-Sarai fordert: Das Völkerrecht muss weiterentwickelt werden. "Es darf nicht sein, dass schreckliche Diktatoren wie die islamische Republik sich geschützt fühlen durch das Völkerrecht, und dass gleichzeitig demokratischen Staaten die Hände gebunden werden und dass sie nichts machen können."

Ob das Völkerrecht weiterentwickelt werden soll, will Maischberger auch von Wagenknecht wissen. Die bleibt die Antwort schuldig. Jedenfalls dürften es nicht die USA sein, die über Regimewechsel bestimmen, sagt sie. Streit gibt es um das Atomabkommen und die Frage: Baut der Iran an einer Atombombe? Wagenknecht ist klar: "Das Atomabkommen hat verhindert, dass der Iran an einer Atombombe baut, und er ist ja auch jetzt sehr weit davon entfernt. Es wird seit dreißig Jahren erklärt, der Iran sei kurz davor, eine Atombombe zu bauen. Aber er baut sie nicht, weil er überhaupt nicht so weit ist."

"Ich verstehe gar nicht, warum sie das iranische System so verteidigen", wirft Djir-Sarai ein. "Jetzt hören Sie auf, mir anzudichten, dass ich dieses verbrecherische Regime verteidige, ist jetzt wirklich das Allerletzte", wird Wagenknecht laut. Und dann erklärt sie: "Ich bin dagegen, dass man uns weismacht, dass diese Bomben, die Unheil und Schrecken und sehr viel Tod in der Region verursachen können und auch wahrscheinlich werden, dass die irgendetwas damit zu tun haben, dass man dort Demokratie und Freiheit befördern will."

Stellt sich die Frage, wie es im Iran nun weitergeht. Die Iraner müssten ihr Schicksal selber in die Hand nehmen, so Djir-Sarai. Dazu seien sie bereit, doch sie brauchten die Unterstützung des Auslandes. Wagenknecht antwortet: "Ich habe nichts dagegen, dass die Menschen sich befreien. Ich glaube nur, dass es unter den jetzigen Rahmenbedingungen noch viel schwerer ist, weil die Repressionen noch schlimmer sind." Ein Krieg werde die Unterdrückung der Gegner des Regimes verstärken. "Es gibt gar nicht die organisierte Opposition, es gibt keine Strukturen für einen Regimesturz", so Wagenknecht.

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