WDR-Befragung

Jedes dritte Kind im Klassenchat sieht Dinge, die es nicht sehen sollte

18.03.2026 von SWYRL

Klassenchats gehören zum modernen Schulalltag, doch sie haben eine gewaltige Kehrseite. Zahlen, die der WDR in einer Umfrage ermittelt hat, zeichnen ein alarmierendes Bild.

Wer Kinder hat, die auf weiterführende Schulen gehen, weiß es: An Klassenchats gibt es kaum ein Vorbeikommen. Acht von zehn Kindern und Jugendlichen sind aktuell Mitglied in einem Klassenchat. Sie erleichtern den Austausch, etwa über Hausaufgaben, Klassenfahrten, schulische Projekte oder private Unternehmungen.

Die Kehrseite: Nicht alle dort geteilten Inhalte sind derart unbedenklich zweckgebunden. In der Gruppe derjenigen Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 16 Jahren, die einem Klassenchat angehören, hat mehr als ein Drittel dort bereits "belastende oder unangenehme Inhalte gesehen". Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die der WDR beim Meinungsforschungsinstitut infratest dimap in Auftrag gegeben hat.

Welcher Art die problematischen Inhalte sind, wurde ebenfalls ermittelt. Besonders häufig sind es Beleidigungen oder Bloßstellungen von Schülerinnen und Schülern sowie des Lehrpersonals. Ausgrenzung und Mobbing werden weiter genannt sowie Bilder von Gewalt oder Verletzungen. Auch mit Nacktheit werden Chat-Teilnehmer ungewollt konfrontiert.

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"Wir haben Kinder im digitalen Raum komplett allein gelassen"

Zu den emotionalen Auswirkungen auf die Kinder bietet die Studie Zahlen, die Sorgen bereiten müssen. 25 Prozent der Kinder, die Mitglied in einem Klassenchat sind, geben an, sich wegen eines Postings Sorgen gemacht zu haben. Fast jede oder jeder Fünfte hatte schon das Gefühl, das Handy nicht weglegen zu können. Auch davon, wegen Chat-Inhalten nicht in die Schule gehen zu wollen, berichten die Befragten.

Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger wird in der WDR-Mitteilung zur Umfrage deutlich: "Wir haben Kinder und Jugendliche seit mindestens zwei Generationen im digitalen Raum komplett allein gelassen. Wir haben zugelassen, dass sie mit extremistischen Inhalten, mit gewalttätigen Inhalten und mit pornografischen schweren Delikten konfrontiert werden. Und wir haben auch zugelassen, dass das zu einer Art Enthemmung bei manchen führen kann."

"Wenn jedes dritte Kind in Klassenchats mit problematischen Inhalten konfrontiert wird, darf uns das nicht kaltlassen", kommentiert WDR-Intendantin Katrin Vernau die Zahlen. "Keine Schülerin und kein Schüler sollte mit Gewalt, Hass, Ausgrenzung oder sexuellen Inhalten konfrontiert werden. Dafür müssen wir Medienkompetenz neu denken."

Der Westdeutsche Rundfunk hat das Projekt "Inside Klassenchats" crossmedial angelegt. Neben einer 30-minütigen Dokumentation im WDR-Fernsehen (18. März, 22.15 Uhr) gibt es Angebote auf YouTube und als Podcast. Alle Zahlen und Hintergründe finden sich auf wdr.de.

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