04.04.2025 von SWYRL/Rachel Kasuch
Selten, geheimnisvoll und immer genial: Mike White, der kreative Kopf hinter "The White Lotus", gewährt exklusive Einblicke in die neue Staffel. Im Interview spricht er über spirituelle Themen, Affen mit Star-Appeal und das emotionale Comeback einer Fan-Lieblingsfigur.
Staffel 3 von "The White Lotus" (bei Sky nd WOW) spielt in Thailand und taucht tief in Themen wie Spiritualität, westliche Dekadenz und innere Zerrissenheit ein - mit scharfen Dialogen, sarkastischem Witz und bildgewaltiger Kulisse. Kritik und Publikum sind sich in ihrer Begeisterung einig. Am 4. April steht nun das große Staffelfinale an, eine vierte Staffel ist bereits bestätigt. Das freut nicht zuletzt US-Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzent Mike White (54), den kreativen Kopf hinter der Erfolgsserie.
teleschau: In Staffel eins von "The White Lotus" standen Klassenunterschiede und kulturelle Dynamiken im Fokus. In Staffel zwei ging's um Geschlechterrollen. Welche Klammer würden Sie der dritten Staffel verpassen?
White: Wir wollten natürlich wieder was Neues versuchen. Ich dachte: Religion, Spiritualität, Gott - das wär mal was. Und dann kam Thailand ins Spiel. Ein buddhistisches Land mit ganz eigener Kultur. Ich selbst bin aus L.A., hatte da so ein bisschen meine "Selbsthilfe-Buddhismus"-Phase - ehrlich gesagt, stecke ich da immer noch drin.
teleschau: Sie sprechen von einer Art spirituellem Selbstfindungstrip?
White: So ungefähr, ja. Und viele buddhistische Konzepte fand ich spannend - auch, weil sie einen neuen Rahmen für die Serie liefern konnten. Thailand war da als Drehort einfach perfekt: Diese Ruhe, die Gelassenheit - und dann knallt da dieser chaotische Haufen westlicher Touristen rein. Das gibt jede Menge Stoff für Geschichten.
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"Keine Sorge - wir haben keine dressierten Affen benutzt"
teleschau: Was auffällt: Es wimmelt in der neuen Staffel nur so von Tieren. Vor allem Affen ...
White: Ja, also ... Affen tauchen bei uns irgendwie immer wieder auf. Auch in der ersten Staffel gab's da was - und ich finde, es ist gar nicht mal so ein heißer Take, aber wir sind ja irgendwie auch Affen. Diese Hooting-Geräusche in Cristobal Tapias Musik - das erinnert schon an Affenrufe. Also: Affen als Motiv ziehen sich ein bisschen durch die Serie.
teleschau: In Thailand sind die wohl sehr präsent?
White: Genau! Das Hotel auf Koh Samui, das wir gewählt haben, war voll mit Affen. Und die haben dort sogar eine Geschichte - sie wurden früher eingesetzt, um Kokosnüsse zu ernten. Im Resort stehen überall Affenstatuen, das war also total stimmig. Es war, als würde das Setting selbst sagen: "Hey, mach was draus!"
teleschau: Und wie haben Sie die Affen dann gefilmt? Stichwort: Tierschutz ...
White: PETA (Tierrechtsorganisation, d. Red.) hat sogar nachgefragt. Aber keine Sorge - wir haben keine dressierten Affen benutzt. Unser Second-Unit-Team ist einfach raus und hat sie in ihrer natürlichen Umgebung gefilmt. Ganz unkompliziert, kein Eingriff - einfach beobachten. Wir haben die Kamera aufgestellt, und die kamen sofort - als wüssten sie, dass es jetzt ihr großer Auftritt ist.
"In meinem Leben war auch privat einiges los ..."
teleschau: Kommen wir zu einem ganz besonderen Comeback: Belinda. Viele Fans hatten sich gewünscht, den Charakter noch einmal zu sehen.
White: Wir waren alle ein bisschen traurig, dass Tanya McQuoid, gespielt von Jennifer Coolidge, in der letzten Staffel gestorben ist. Da war die Frage: Wie behalten wir sie irgendwie im Herzen der Serie? Und dann kam mir die Idee: Vielleicht bringt man Belinda zurück - als eine Art emotionale Verbindung.
teleschau: Viele Zuschauerinnen und Zuschauer hatten Mitleid mit ihrem Ende in Staffel eins - sie wurde fallen gelassen, ihre Träume waren geplatzt.
White: Genau. Und ich fand das auch schade. Außerdem: Mit ihrer Darstellerin Natasha Rothwell zu arbeiten, ist ein absoluter Traum. Sie ist wirklich die Beste. Und ich dachte mir einfach: Warum nicht Belinda ein neues Kapitel geben - und nochmal mit Natasha drehen? Allein das war schon Grund genug.
teleschau: Zum Abschluss was macht Sie an dieser Staffel am meisten stolz?
White: Oh Mann. Um ehrlich zu sein... Sie sehen hier jemanden, der gerade so durchs Ziel eines der härtesten Rennen seines Lebens geschlittert ist.
teleschau: So schlimm?
White: Auf jeden Fall. Die Staffel ist länger, es gibt mehr Figuren, mehr Handlungsstränge - einfach mehr von allem. Thailand war wunderschön, aber auch herausfordernd. Und dann kam mitten rein noch der Autorenstreik. Und in meinem Leben war auch privat einiges los ... Es hat mich total vereinnahmt. Zwei Jahre meines Lebens. Es gab Tage, da dachte ich: "Schaff ich das überhaupt? Oder sterbe ich heute einfach?" (lacht) Also ja - ich bin schon stolz, allein hier zu sitzen.