13.03.2026 von SWYRL/Franziska Wenzlick
Richard David Precht hält Manuel Hagels kontroverses "Rehaugen-Video" nicht für sexistisch. Ganz anders sieht das Markus Lanz. Im gemeinsamen Podcast "Lanz + Precht" erklärt der Polittalker, weshalb ihm die Äußerungen des CDU-Politikers "ein mieses Gefühl" bereitet hätten.
Dass Manuel Hagel im Jahr 2018 in einem Interview von den "rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin schwärmte, könnte ihn bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg so manche Stimme gekostet haben. Das acht Jahre alte Video habe "möglicherweise einen nicht ganz unerheblichen Einfluss auf die Frage gehabt, wer Ministerpräsident in Baden-Württemberg wird", glaubt auch Richard David Precht.
Man könne Hagels damalige Äußerungen "durchaus unsympathisch finden", sagt der Autor in der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Lanz + Precht". Dass man dem CDU-Politiker aufgrund des acht Jahre alten Clips Sexismus vorhalte, sei laut Precht jedoch nicht gerechtfertigt.
Markus Lanz sieht das anders. "Ich habe das Video das allererste Mal gesehen und dachte: Ne, das geht schief, das muss man schon ernst nehmen." Der Polit-Talker habe "sofort so ein mieses Gefühl bei der ganzen Geschichte" gehabt. Schließlich, betont Lanz, sei ein Klassenraum für ihn "etwas Heiliges, ein besonders geschützter Ort und Raum". Dass Manuel Hagel sich als damals 29-Jähriger darüber freute, "eine Klasse mit 80 Prozent Mädchen" zu besuchen, hält der Moderator für bedenklich.
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"Lass es einfach!"
Schülerinnen und Schüler seien "besonders schützenswert und da muss man besonders sensibel sein", mahnt er. Hätte Hagel ähnlich "über 25-Jährige oder 30-Jährige" gesprochen, hätten seine Bemerkungen lediglich "schleimig und ranzig" angemutet. "Du redest aber über 15- oder 16-Jährige, die da sitzen", ärgert sich Lanz.
"Er hat ja kein allgemeines Loblied über jede einzelne Schülerin, die da saß, gemacht", wirft Precht ein. Das lässt sein Podcast-Partner nicht gelten: "Hallo? 15-, 16-Jährige? Lass es einfach!", sagt er in Bezug auf Hagel. Auch Precht räumt ein, dass es sich um eine "dämliche, schmierige Aussage" gehandelt habe. Dennoch gibt er zu bedenken, dass das Interview einerseits viele Jahre in der Vergangenheit liege und sich der CDU-Mann andererseits nicht belegbar "sexistisch oder schmierig zu den Schülerinnen verhalten" habe.
"Aber stell dir vor, du bist jetzt Vater einer Tochter", widerspricht Lanz. "Da redet ein fast 30-Jähriger über eine 16-Jährige und die ist zufällig deine Tochter." Er bezeichnet Hagels Äußerungen als "Locker Room Talk" - ein aus dem Englischen stammender Begriff, der beschreiben soll, wie frauenfeindliche Bemerkungen unter Männern häufig als harmlose Späße abgetan werden.
Seinen Gesprächspartner kann Markus Lanz mit dieser Argumentation nicht überzeugen. "Acht Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit", wiederholt Precht im weiteren Verlauf der Folge. "Was wollen wir für Politiker haben? Was ist unsere Vorstellung, wie Politiker sein sollten? Menschen, die nie mal was Blödes gemacht haben - nicht mal eine anzügliche Bemerkung in ihrem Leben gemacht haben und so weiter?" Ein derart "puritanischer Anspruch" an Amtsträger sei unrealistisch, glaubt der TV-Philosoph. "Politiker kann man dann ja nur noch sein, wenn man ein ganz braver, angepasster Opportunist ist."
Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt's unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im Youtube-Kanal des ZDF.

