Im Interview zu "Like a Loser"

Tom Beck: "Vater sein ist der Job meines Lebens"

07.03.2025 von SWYRL/Stefanie Moissl

Seine Eltern hatten es nicht leicht mit ihm, erinnert sich Schauspieler und Musiker Tom Beck. Was er sich für seine eigenen Kinder wünscht, verrät der 47-Jährige im Interview.

Tom Beck kehrt wieder an die Schule zurück: In Staffel zwei der Comedyserie "Like a Loser" (ab Dienstag, 11. März, 21.45 Uhr, ZDFneo) ist er erneut als spießiger Schuldirektor Stöfgen zu sehen. Man sieht den neuen Folgen an, dass die Darsteller beim Dreh viel Spaß hatten. "Wir mussten uns dauernd zusammenreißen, nicht loszulachen", bestätigt der Schauspieler im Vorfeld des Interviews, in dem er sich an seine eigene, weniger spaßige Schulzeit erinnert: Als Teenager schwänzte Tom Beck die Schule, schlug sich als Alleinunterhalter auf Hochzeiten durch und fühlte sich als "Loser". Auch das Musical- und Schauspielstudium war zunächst eine Notlösung - doch dann wurde er von einem Agenten entdeckt. Seit seinem Durchbruch 2008 im RTL-Serienhit "Alarm für Cobra 11" ist Beck Dauergast auf dem Bildschirm. Mal als Schauspieler, mal als Sänger, mal als Showgast. Letzteres demnächst sogar gemeinsam mit seiner Ehefrau, Schauspielerin Chryssanthi Kavazi im Pärchen-Special von "Grill den Henssler" (Sonntag, 16. März, 20.15 Uhr, VOX). Die beiden sind seit 2018 verheiratet und haben zwei Kinder (fünf Jahre, neun Monate). "Vater sein ist der Job meines Lebens" schwärmt der 47-Jährige.

teleschau: Herr Beck, in "Like a Loser" spielen Sie einen Schuldirektor. Sie selbst waren kein Musterschüler, wie Sie schon verraten haben, Sie schwänzten oft den Unterricht. Wie oft gab es Ärger zu Hause?

Tom Beck: Den Ärger gab es nur einmal - als ich durchs Abi geflogen bin. Vorher hatten meine Eltern vermutlich gar nicht mitbekommen, dass ich nicht in der Schule war. Ich bin morgens aus dem Haus, bin zu meiner Freundin gefahren und habe mich da wieder ins Bett gelegt, während sie zum Unterricht ging. Als sie zurückkam, hat sie mich geweckt, und ich bin nach Hause gefahren. Das ging mindestens zweimal die Woche so. Als ich durchs Abi geflogen bin, ließ es sich natürlich nicht mehr verheimlichen. Der Aufprall war entsprechend groß. Jetzt, als Vater, würde ich mir in derselben Situation die schlimmsten Sorgen machen. Aber damals war ich noch nicht so weit.

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"Ich fühlte mich wie der größte Loser"

teleschau: Wie ging es dann weiter?

Beck: Die Enttäuschung bei meinen Eltern war riesig. Aber auch bei mir. Ich fühlte mich wie der größte Loser. Alle hatten das Abi geschafft, nur ich nicht. Allerdings hielt die Enttäuschung ungefähr drei Tage an... Am Ende beschloss ich, das Schuljahr noch mal zu machen, nur mit etwas mehr Aufwand. Mit dem Ergebnis, dass ich einen schlechteren Schnitt hatte, als wenn ich es beim ersten Mal durchgezogen hätte, aber immerhin hatte ich es.

teleschau: Trotz Ihrer Erfahrungen wollten Sie aber selbst mal Grundschullehrer werden. Warum?

Beck: Um ganz ehrlich zu sein, hatte das nichts mit dem Beruf zu tun. Ich war 18 oder 19, und unsere Schule war direkt neben der pädagogischen Hochschule. Weil es da gutes Essen gab, sind wir oft rübergegangen. Dabei haben wir festgestellt, dass dort 90 Prozent Frauen studieren. Und so kam ich wohl zur Überlegung: "Ah, Lehrer. Das wäre doch was für mich." (lacht). Wobei ich damals auch Kindern Orgel- und Klavierunterricht gegeben habe. Das konnte ich ganz gut. Vielleicht auch, weil ich irgendwie selber noch ein Kind bin.

Meinem Sohn würde ich sagen: "Lern lieber was Vernünftiges!"

teleschau: Warum haben Sie den Plan verworfen?

Beck: Es wäre ja nur aus der Not heraus gewesen, um überhaupt etwas zu tun. In der Praxis hätte ich wahrscheinlich nach zwei Wochen das Handtuch geschmissen. Dann ergab sich die Möglichkeit, bei einem Musical in Nürnberg mitzumachen. Ich merkte schnell, dass ich auf der Bühne aufblühe. So kam ich auf die Idee, Musical zu studieren. Auch wenn ich mich mit Tanz zuerst gar nicht anfreunden konnte. Ich habe 15 Jahre Fußball gespielt, mochte rustikalere Sportarten. Und Tanz war sehr weit weg von dem, was ich unter Sport verstand. Anfangs war ich auch kein großer Musicalfan. Aber ich dachte, du bekommst hier ein klasse Studium. Nicht am Schreibtisch sitzen und büffeln - es war alles körperlich. Und wenn ich den ganzen Tag am Theater war, verging die Zeit im Flug.

teleschau: Wobei die Entscheidung, Schauspiel und Musical zu studieren, den meisten Eltern wahrscheinlich auch erstmal Sorgenfalten ins Gesicht treibt...?

Beck: Ja. Aber ich war weg von der Straße. (lacht) Ein Studium durchzuziehen, oder überhaupt an etwas länger Gefallen zu finden, das hatte ich mir vorher gar nicht vorstellen können. Hier merkte ich, das ist etwas, wo ich mich reinfuchse und Ehrgeiz entwickle. Dann sah mich ein Agent und fragte: "Hast du nicht auch mal Lust auf TV und Film?" Also habe ich ein paar Castings gemacht - und es hat prompt geklappt. Rückblickend war es wohl Schicksal. Denn nur weil ich durchs Abi geflogen bin, hat sich all das ergeben. Wenn mein Sohn sagen würde, er will Musical studieren, würde ich sagen "Lern lieber was Vernünftiges!"

"Ich versuche alles zu sein für meine Kinder"

teleschau: Was für ein Vater sind Sie - eher konsequent oder nachsichtig, verständnisvoll?

Beck: Ich versuche alles zu sein für meine Kinder, und das ist das Schwierige. Meine Großer ist fünf, die Kleine gerade erst neun Monate alt. Vater sein ist der Job meines Lebens. Ich versuche, immer alles richtig zu machen. Klar, das mache ich auch, wenn ich vor die Kamera trete. Aber da weiß ich, dass ich das beherrsche. Früher, wenn ich andere Kinder sah, dachte ich oft: "Das macht mein Sohn oder meine Tochter mal nicht! Das passiert mir nicht." Jetzt ertappe ich mich oft, dass ich nicht so streng bin - auch weil ich mich viel damit beschäftige, warum Kinder so sind, wie sie sind. Inzwischen weiß ich, dass das Modell Gehorsam, so wie meine Generation es erlebt hat, auch seine Schattenseiten hat. Ich versuche, mich in das Thema Erziehung reinzulesen und der bestmögliche Vater zu sein, der ich sein kann. Mit sehr viel Liebe und Geborgenheit da zu sein, aber natürlich den Kindern gleichzeitig zu vermitteln, dass Handeln auch Konsequenzen hat. Wie das funktioniert, wie man ein guter Vater ist, versuche ich täglich neu rauszufinden.

teleschau: Welche Schulerfahrungen würden Sie Ihren Kindern gern ersparen?

Beck: Ich hatte teils Lehrer, die den Stoff einfach nur runtergepredigt haben. Da hätte ich viel mehr abgeholt werden müssen. Klar, dass ich keine Lust hatte, lag zum großen Teil auch an mir. Meinen Kindern würde ich wünschen, dass sie Lehrerinnen und Lehrer haben, die es schaffen, dass sie auch alleine einen Antrieb haben zu lernen. Auch, dass sie den Mehrwert sehen, der einem da gegeben wird. Aber falls sie gar keinen Bock auf Schule haben, so wie ich damals ... Dann muss ich lernen, damit umzugehen.

Fünf Jahre Alleinunterhalter-Jobs auf Hochzeiten: "Leicht war das nicht immer"

teleschau: Die Schule lag Ihnen nicht, dafür aber die Musik. Ihre allererste Karriere starteten Sie schon als Teenager, als Alleinunterhalter auf Hochzeiten. Wie muss man sich das vorstellen: Tom Beck an der Hammondorgel, Schlager singend?

Beck: Ja, genau so können Sie sich das vorstellen. Ich hatte sogar eine Krawatte mit einer Klaviatur drauf. (lacht) Allerdings habe ich auf zwei Dinge bestanden: "Ich erzähle keine Witze!" Und ich wollte diese hum-tatta, hum-tatta-Begleitautomatik nicht. Ich sagte: "Ich will einfach nur Musik machen, und ich mache alles live!" Von "Herzilein" über den "Zillertaler Hochzeitsmarsch" bis zu "Hey Jude" und Bryan Adams habe ich mir alles draufgeschafft. Fünf Jahre lang war ich Alleinunterhalter, zwischen 17 und 22, musste viel Volksmusik spielen und habe versucht, trotzdem meinen Spaß dabei zu haben. Leicht war das nicht immer.

teleschau: Inwiefern?

Beck: Wenn da zum Beispiel zwei Gleichaltrige mit langen Haaren im Guns N' Roses-T-Shirt vor mir saßen, und die schauten mich an mit ihrem "Was bist du denn für 'ne Pfeife?"-Blick ... Das war hart. Aber ich musste nun mal mein Publikum unterhalten. Es war meine erste Entertainer-Erfahrung, das hat mich geschult darin, das Publikum zu lesen. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.

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