"Eurovision Song Contest 2026 - Das Deutsche Finale"

Sarah Engels' Sieg beim ESC-Vorentscheid empört Fans: "Den Song gab es schon Mal!"

01.03.2026 von SWYRL/Jürgen Winzer

Nach einer zu langen ARD-Show steht fest: Beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien wird Sarah Engels für Deutschland antreten. "Deutschland braucht dich", sagte Hazel Brugger in der Sendung. Viele Fans sehen das anders.

Sarah Engels hat gewonnen! Die 33-Jährige vertritt mit ihrem Lied "Fire" Deutschland beim 70. Eurovision Song Contest am 16. Mai in Wien. So haben es die Fans gewollt. Jedenfalls die Mehrheit derer, die beim Telefonvoting bei "Eurovision Song Contest - Das deutsche Finale 2026" (ARD) mitmachten. Damit setzte sich die ehemalige DSDS-Zweite gegen Wavvyboi und Molly Sue durch. Die beiden waren mit Engels von einer 20-köpfigen Jury aus insgesamt neun Acts für die Fan-Abstimmung auserkoren worden.

Es war eine Live-Veranstaltung aus Berlin. Barbara Schöneberger und Hazel Brugger moderierten. Gut gelaunt und mitunter schön bissig. Da wurde Stefan Raab mit einer Doppelgänger-Nummer mit schrillem "Wadde Hadde Dude Da"-Kostüm und vor allem schrillweißer Beißleiste von den beiden Moderatorinnen verhohnepiepelt. Brugger, sowohl mit amerikanischer, Schweizer und deutscher Staatsbürgerschaft gesegnet, veralberte die Deutschen in einem beißend ironischen "Vorstellungsvideo". Schöneberger war selbstironisch ("Ich wär am liebsten zu Hause und würde was essen") und bat die als Talkgast anwesende und recht ausschweifend erzählende ESC-Legende Paola Felix "bitte um eine kurze Antwort".

Zur aktuellen Weltlage verloren die beiden kein Wort. Dabei war die ESC-Show um 15 Minuten verschoben worden. Ein ARD-"Brennpunkt" nach den militärischen Attacken von Israel und den USA und den Vergeltungsschlägen des Iran hatte es nötig gemacht. Später, unbemerkt von allen ESC-Fans, die da in Berlin ausgelassen feierten, lief per Banderole die Info über die Bildschirme, wonach der iranische Ayatollah Chamenei angeblich getötet worden sei. Der ESC kann viel verdrängen und kaschieren - aber leider nicht alles.

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Hazel Brugger holt die Siegerin auf die Bühne: "Deutschland braucht dich"

Die vom SWR runderneuerte Show dauerte knapp über drei Stunden. Hätte es nicht gebraucht. Insgesamt traten nur neun Künstler live an und auf. Macht bei den strikt drei Minuten langen Songs 27 Minuten, mit Anmoderation immer noch keine Dreiviertelstunde. Gut, es kamen diverse Schnelldurchläufe dazu und dann mussten die drei Finalisten auch nochmals auftreten - mit demselben Song natürlich. Und die Siegerin dann auch noch mal. Was sie kaum konnte, weil sie glücklich kiekste und Freudentränen vergoss. Zuvor hatte sich Sarah Engels ins Publikum verabschiedet, um mit ihrer Familie zu feiern, aber Hazel holte sie zurück on stage: "Sarah, komm, Deutschland braucht dich."

Das sehen viele Fans nicht so. Natürlich gab es von den Engels-Supportern Lob in den sozialen Medien. Von allen anderen nicht. "Glückwunsch zum letzten Platz", "Endlich werden wir uns die 0 Punkte mal wieder so richtig verdienen", "Vielleicht will Deutschland auch einfach nicht gewinnen" und "Das wird ja ganz großes Kino und wieder eine Blamage vom feinsten" hieß es da.

Die Kritiker schossen allerdings nicht auf die Künstlerin, sondern auf das Lied und die Performance: "Den Song gab es schon Mal beim ESC mit gleichem Auftritt und Tanz. Damals sang es Zypern und hieß 'Fuego'." In der Tat gibt's beim ESC pro Jahr und seit Jahren immer mehrere Künstlerinnen, die mit einem Euro-Dance-Track, wenig Stoff am Outfit, dafür viel Haut, Tänzerinnen und Pyroshow punkten wollen. Klappte nicht immer.

Recht überflüssig: das Talk-Sofa

Wenn es einen Moderatorinnen-Wettbewerb gäbe, wäre eine hohe Punktzahl garantiert. Zwar verhaspelten sich Schöneberger und Brugger immer mal wieder, aber sie sprühten auch vor guter Laune. "Wenn's wichtig wird, holen sie zwei Frauen", sagte Schöneberger gleich zu Beginn nur halb im Scherz. Und immerhin: Endlich benannte jemand mal den sogenannten "Green Room", in dem die Acts vor und nach dem Auftritt abhängen, richtig: "Das ist eher ein ocker Room", meinte Brugger.

Den Ocker Room braucht es nicht. Ebenso wenig eigentlich das Talk-Sofa. Da saßen neben Legende Poala Felix (75), die zweimal für die Schweiz beim ESC antrat, der ehemalige deutsche Teilnehmer Michael Schulte und - warum eigentlich? - die Comedienne Carolin Kebekus. Und Hans Sigl, der "Bergdoktor". "Der ist Österreicher, schaut aber aus wie wir", stellte ihn Schöneberger flapsig vor.

Die 20-köpfige internationale ESC-Expertenjury war hochkarätig besetzt. Mit der ehemaligen ESC-Siegerin Ruslana, dem Ex-Teilnehmer Luca Hänni, ESC-Hitproduzenten und sonstigen ESC-Koryphäen. Trotzdem sahen die 20 Menschen in ihren Stühlen aus wie die Promis am Telefon beim RTL-Spendenmarathon.

Schön anzuschauen waren indes die Einspieler über die Kuriositäten der letzten sieben ESC-Jahrzehnte. Da kann man sich glatt auf die demnächst erscheinende Doku freuen.

Fans sind traurig

Viele Fans trauerten - völlig zu Recht - um Molly Sue und Wavvyboi, die im Finale Sarah Engels unterlegen waren. Beide boten die einzigen wirklich überraschenden musikalischen Farbtupfer in einem Klang-Portfolio, das schon im Vorfeld Kritik geerntet hatte. Viele der Songs von Bela, Dreamboys The Band, Myle, Laura Nahr, Ragazzki oder Malou Lovis waren zwar schön oder nett. Aber kann man mit einem "netten Lied" heutzutage noch die ESC-Fans in ganz Europa vom Hocker hauen?

Wavvybois Gitarrenpopglamrock (inklusive Gitarrenweitwurf, von Windmaschinen verwehten Locken) hätte auch Wien rocken können, so wie früher der durchgeknallte Amadeus. Und Molly Sues kraftvolle Ballade über das Durchhalten und Kämpfen hätte auch zu Höherem berufen sein können. Das sah auch Michael Schulte so. "Die beiden anderen hatten soooo viel zu bieten", trauerte ein Fan bei Instagram.

Aber jetzt muss es Sarah Engels richten. Mit glänzendem Outfit und praller Stimme. Und einem Lied, das klingt, als hätte man es schon oft gehört. Das kann auch ein gutes Zeichen sein. Oder auch nicht.

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