28.02.2026 von SWYRL
Ein Modezar, eine waschechte Prinzessin, ein weltbekanntes Pop-Duo und eine ZDF-Moderatorenlegende: Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest bewarben sich in der Vergangenheit schon die unterschiedlichsten Persönlichkeiten.
Bislang konnte Deutschland den ESC-Sieg von Lena 2010 zwar nicht wiederholen, der Auswahlprozess für den deutschen Beitrag ist seitdem jedoch mehr oder weniger gleich geblieben: Im Rahmen einer großen (Casting-)Show dürfen zahlreiche Acts - die meisten davon Newcomer - ihr Können beweisen. So auch dieses Jahr: Am 28. Februar steigt "Eurovision Song Contest - Das Deutsche Finale 2026" ab 20.15 Uhr live im Ersten.
Mit Sarah Engels und Malou Lovis treten zwei Castingshow-erfahrene Sängerinnen an, sonst die ganz großen Namen im Teilnehmerfeld nicht zu finden. Das war nicht immer so: In der langen Geschichte des ESC-Vorentscheids gab es eine ganze Reihe von schillernden Persönlichkeiten und überraschenden Namen, die Deutschland beim Song Contest vertreten wollten.
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Von der Vorentscheid-Teilnehmerin zur Prinzessin
Die vielleicht ungewöhnlichste "Karriere" eines deutschen Vorentscheid-Acts machte Gabriele Homey, spätere Prinzessin zu Leiningen. Noch bevor sie durch ihre Heirat 1991 ihren Adelstitel erhielt, trat sie 1986 unter dem Pseudonym Gina Boys an. Gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen Dschinghis-Khan-Sänger Wolfgang Heichel bildete sie die Gruppe That's Life und präsentierte den von Ralph Siegel komponierten Titel "Telefon". Die Formation belegte den zwölften und letzten Platz des Wettbewerbs.
1998 ließ sie sich scheiden und wurde danach durch ihre Ehe mit Karim Aga Khan IV. bekannt, die von 1998 bis zur rechtskräftigen Scheidung im Jahr 2014 bestand. Während dieser Zeit trug sie den Titel Begum Aga Khan, danach wieder den Namen Gabriele Prinzessin zu Leiningen. Seit 2022 ist sie mit dem österreichischen Industriellen Wolfgang Porsche liiert, das Paar heiratete im Dezember 2025.
Erst Schlagerstar, dann Moderator
Was viele vielleicht nicht wissen: Bevor er als Moderator der "ZDF-Hitparade" eine Art Übervater des deutschen Schlagers wurde, versuchte Dieter Thomas Heck Anfang der 60er-Jahre selbst als Schlagersänger Karriere zu machen. Sein vielleicht größter Achtungserfolg: Beim ESC-Vorentscheid 1961, der damals "Die Schlagerparade" hieß, trat er mit dem Titel "Was tut man nicht alles aus Liebe" an.
Weitaus größeren Erfolg hatte eine andere - sogar mehrfache - Teilnehmerin am Vorentscheid, die ebenfalls später als Moderatorin einem großen Publikum bekannt wurde: Die Schweizerin Paola war bereits in der 60er-Jahren für ihre Heimat in den Wettbewerb gegangen. 1969 durfte sie ihr Land vertreten und belegte, damals noch unter ihrem Geburtsnamen Paola Del Medico, mit "Bonjour Bonjour" den fünften Platz. Beim deutschen Vorentscheid schaffte sie es zweimal auf Platz zwei, 1979 mit "Vogel der Nacht" und 1982 mit "Peter Pan". Im darauffolgenden Jahr übernahm sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Felix die Moderation der ARD-Show "Verstehen Sie Spaß?".
Der Vorentscheid als Sprungbrett - ins Schauspielfach
Auch zwei weitere Beispiele zeigen, dass es gut ist, sich im Showbusiness nicht nur auf ein Standbein zu verlassen. Denn auch wenn Dorkas Kiefer erfolgreich war, 1989 nahm sie als Solokünstlerin mit "Ich hab Angst" teil, 1994 mit Mekado und dem Titel "Wir geben 'ne Party" gewann sie den Vorentscheid sogar: Als Schauspielerin ("Klinikum Berlin Mitte", "SOKO Köln") ist die gebürtige Offenbacherin heute wesentlich bekannter.
Ähnliches gilt für Isabell Varell, die in den 80er-Jahren zunächst als Sängerin Karriere machte und 1990 auch beim ESC-Vorentscheid ("Melodie d'amour", Platz sechs) auftrat. Große musikalische Erfolge waren ihr danach nicht beschieden, als Moderatorin ("Aktuelle Schaubude"), Schauspielerin ("Für alle Fälle Familie") und TV-Star ("Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!") ist Varell aber bis heute bekannt.
Gaststars aus Frankreich, Italien und Österreich
Als mit Abor & Tynna im vergangenen Jahr zwei Österreicher für Deutschland antraten, war das einigen Medien eine Schlagzeile wert. Dabei hat es gute Tradition, dass beim ESC Musik-Acts nicht (nur) für ihr Heimatland antreten. Neben der bereits erwähnten Paola ist Séverine ein prominentes Beispiel: Die gebürtige Französin hatte bereits 1971 für Monaco den Eurovision Song Contest gewonnen. 1975 trat sie beim deutschen Vorentscheid mit "Dreh dich im Kreisel der Zeit" an, belegte aber nur den siebten Platz.
Auch danach versuchten Künstlerinnen und Künstler aus dem Ausland immer wieder, für Deutschland ins Rennen zu gehen. Darunter der Österreicher Peter Cornelius (1981, "Träumer, Tramps und Clowns", Platz 6"), das niederländische "Puttin' on the Ritz"-One-Hit-Wonder Taco (1981, Träume brauchen Zeit", Platz 12), der italienische Popsänger Francesco Napoli (1989, "Viva l'amore", Platz 8) und das US-Soulpop-Duo The Weather Girls, die gemeinsam mit The Disco Boys (2002, "Get Up, Stand Up", Platz 15) antraten.
Eine Frage des (guten) Geschmacks
Ohnehin lässt sich feststellen, dass um die Jahrtausendwende - befeuert durch die Erfolge von Guildo Horn und Stefan Raab - es kaum musikalische (Geschmacks-)Grenzen mehr gab. Hatten bis Mitte der 90er-Jahre meist von ESC-Legende Ralph Siegel ins Rennen geschickte, harmlos-biedere Schlager-Pop-Acts den Wettbewerb geprägt, wurde das Teilnehmerfeld des Vorentscheids deutlicher bunter: Im Jahr 2000 traten neben Gewinner Stefan Raab ("Wadde hadde dudde da?"), die Rockband Knorkator ("Ick werd zun Schwein"), das Dancefloor-Projekt E-Rotic ("Queen Of Light") und Lotto King Karl & Die Barmbek Dream Boys fischering ROH ("Fliegen") an.
Im Jahr darauf versuchte der Münchner Modeunternehmer Rudolph Mooshammer, gemeinsam mit der Münchner Zwietracht sein Glück ("Teilt Freud und Leid"). Und auch der damals frisch gebackene "Promi Big Brother"-Star Zlatko versuchte mit "Einer für alle", an seine Charterfolge anzuknüpfen, belegte aber nur Platz 6. Und nicht nur unfreiwillig komische Künstler traten an: Auch Comedy-Acts nutzten den Vorentscheid als Bühne. So nahm 2002 das Duo Mundstuhl ("Fleisch") teil, ein Jahr später folgte das Projekt Die Gerd Show ("Alles wird gut").
Auch ein großer Name garantiert keinen Erfolg
Immer wieder traten aber auch echte Musikstars an. Doch auch ein großer Name war nicht immer gleichbedeutend mit einem Erfolg beim Vorentscheid. Den Sprung auf die internationale ESC-Bühne verpassten unter anderem die Country-Band Truck Stop (1979, "Take It Easy", Platz 2), das Popduo Rosenstolz (1998, "Herzensschöner", Platz 2), Jeanette Biedermann (1999, "Das tut unheimlich weh, Platz 4) und die Technoband Scooter (2004"Jigga Jigga!, Platz 2).
2014 traten sogar zwei der erfolgreichsten deutschen Acts der letzten 25 Jahre beim Vorentscheid an: Doch weder der Düster-Pop-Act Unheilig ("Als wär's das erste Mal") noch die Shanty-Rocker von Santiano ("Wir werden niemals untergehen") konnten sich durchsetzen.



