"Maybrit Illner"

Strack-Zimmermann wünscht vielen in Deutschland wegen Epstein-Akte "Schweiß auf die Stirn"

27.02.2026 von SWYRL/Doris Neubauer

Fünf Talkgäste begaben sich bei Maybrit Illner in die Untiefen des Epstein-Netzwerks. Die Akte klebt nicht nur US-Präsidenten Trump wie ein "Kaugummi am Schuh". Auch für Deutschland gehe es um Sicherheit, zeigten sich Grünen-Chefin Brandtner und FDP-Politikerin Strack-Zimmermann einig.

Seitdem das US-Justizministerium nach langem Sträuben rund drei Millionen Bilder, Videos und Seiten der Epstein-Dokumente freigegeben hat, sorgen die Enthüllungen rund um den Millionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für Gesprächsstoff - wie an diesem Abend in der Talkshow von Maybrit Illner - und für Schlagzeilen.

Erst an diesem Donnerstag berichtete die New York Times, dass vermutlich 50 entscheidende Seiten der Akten fehlen. Es soll sich dabei um belastende Vernehmungsprotokolle des US-Präsidenten Donald Trump handeln, weiß Investigativreporter Daniel Laufer, der sich für "Paper Trail Media" durch die Unterlagen wühlt. Dass auf diese in den Dokumenten selbst immer wieder hingewiesen werde, ortete er als "Zeichen dafür, wie missglückt die Vertuschung - so es denn eine sein sollte - wäre." Noch gebe es keine strafrechtlich relevanten Beweise, dass der Republikaner in die Machenschaften von Epstein verwickelt wäre, ergänzte "Handelsblatt"-Expertin Annett Meiritz. An einen plötzlichen Einbruch des Rückhalts für den US-Präsidenten glaube sie nicht, sehr wohl aber an einen schleichenden Verlust. "Epstein klebt an Donald Trumps Schuh wie ein Kaugummi", meinte sie - und offensichtlich nicht nur dort, denn der Epstein-Skandal sei viel mehr das Aufzeigen eines Systems: "Es wird offenbart, dass nicht nur ein Epstein, sondern die halbe Welt dahintersteckt", betonte sie.

Dass das System "auch in Deutschland aufploppt" und bald ein deutscher Name falle, darauf schien Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) regelrecht zu warten. Die kurzzeitige Festnahme von Prince Andrew sowie die Rücktritte ehemaliger Botschafter und Minister in Europa zeigten, dass sich das Ökosystem längst nicht auf die USA beschränke. "Ich glaube wirklich, dass viele hier in Deutschland echt Schweiß auf der Stirn haben - und das hoffe ich wirklich sehr", erklärte die FDP-Politikerin nicht nur einmal in der Sendung.

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Franziska Brantner: "Das Gefühl, ich komme mit allem durch, breitet sich aus!"

Auch die B'90/Die Grünen-Parteivorsitzende Franziska Brantner vermutete, dass mehr Deutsche ins Epstein-Netzwerk involviert seien. Dass ausgerechnet der Name von Henry Jarecki, einem verstorbenen Mäzene "ihrer" Stadt Heidelberg, in den Akten auftauche, müsse sauber ermittelt und geprüft werden. "Ich erwarte, dass die Bundesregierung tätig ist", forderte die Oppositionspolitikerin, "es ist wichtig, dass die strafrechtliche Ermittlung endlich losgeht."

"Die Bundesregierung muss aktiv werden", herrschte zwischen ihr und Strack-Zimmermann traute Einigkeit wie sonst selten. Auch Europa hätte durch Europol die Chance über Grenzen hinweg Verbrechen zu verfolgen. Das sei vor allem für die Sicherheit von Deutschland und dem Kontinent relevant, denn in der sicherheitspolitisch angespannten aktuellen Lage könnten andere Länder wie Russland sonst auf Menschen Druck ausüben, Geheimnisse zu verraten - warnte sie. Zudem sah sie eine "große Chance für Europa, weil wir auch den Wertekanon in Europa schützen müssen."

Wieder kam vonseiten Brantners nichts als Zustimmung: "Das Gefühl, ich komme mit allem durch, breitet sich aus - und wir müssen alle dafür kämpfen, dass sich das nicht durchsetzt."

Margot Käßmann: "Das Schlimmste finde ich aber, dass das Vertrauen zerstört ist"

"Die Scham muss die Seite wechseln", nicht nur Strack-Zimmermann bemühte dieses Zitat von Gisèle Pelicot, der französischen Ikone im Kampf gegen sexualisierte Gewalt. Auch Brantner und die Theologin Margot Käßmann betonten, dass die Opferperspektive in den Mittelpunkt gerückt werden müsse.

"Das Schlimmste finde ich aber, dass das Vertrauen zerstört ist", fügte Letztere hinzu. Wie schon in den Missbrauch-Skandalen der katholischen und evangelischen Kirche sei das Ausmaß dieses Misstrauens kaum messbar und es werde lange dauern, bis das Vertrauen wieder zurückkomme. Zudem sei es bedrückend, dass Männer aus allen Bereichen glauben, "sie könnten sich Frauen kaufen", ergänzte sie, "ich hatte gehofft, wir hätten das überwunden - das ist aber offensichtlich nicht so."

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