Sechsteilige Netflix-Miniserie

"Eric" mit Benedict Cumberbatch: Die Fantome des Puppenspielers

26.05.2024 von SWYRL/Eric Leimann

Abi Morgan ("The Hour") schrieb diesen im New York der 80-er spielenden Thriller um einen Puppenspieler (Benedict Cumberbatch), dessen kleiner Sohn auf dem Schulweg verschwindet. Eine mysteriöse Puppe - der dem Netflix-Sechsteiler den Titel gebende "Eric" - könnte beim Suchen helfen.

Auch all jene, die von Allerwelts-Crime-Stories gelangweilt sind, sollten der sechsteiligen Miniserie "Eric" (ab 30.5. bei Netflix) eine Chance geben. Benedict Cumberbatch ("Sherlock") spielt im New York der 80er-Jahre einen Puppenspiel-Star, der täglich mit seiner TV-Show "Good Day Sunshine" Kinder und Eltern unterhält. Als sein neunjähriger Sohn Edgar (Ivan Morris Howe) auf dem Schulweg verschwindet, stürzt dies Vater Vincent und dessen Frau Cassie (Gaby Hoffmann) in eine tiefe Krise.

Detective Michael Ledroit (McKinley Belcher III) leitet die Ermittlungen, doch auch er hat - wie Edgars Eltern - mit persönlichen Dämonen zu kämpfen. Ein bisschen wie ein Dämon wirkt auch jene mannsgroße Puppe, die Edgar wie besessen zeichnete, bevor er verschwand. Nun glaubt sein Vater, jene Figur namens Eric könnte zum Schlüssel für Edgars Wiederkehr werden. Mehr und mehr gleitet der Puppenspieler in eine gefährliche Parallelwelt ab, in der Eric eine zentrale Rolle einnimmt.

Eines sollte man vorab wissen: Der bärenstark geschriebene und inszenierte Psychokrimi der britischen Autorin Abi Morgan (Drehbuch-Emmy für "The Hour") ist nichts für zarte Gemüter. Einige Figuren offenbaren Abgründe rund um Drogen, Sexualität und (auto)destruktive Gewalt, die manchmal schwer zu ertragen sind. Gespielt ist dies alles außergewöhnlich gut. Vor allem durch Cumberbatch als sperriger Kreativer, aber auch durch McKinley Belcher III als schwarzer Detective in einem noch sehr rassistisch geprägten, schmutzigen New York zu Zeiten der Aids-Pandemie. Dazu fesselt das düstere, wendungsreiche Crime-Drama, dem man sofort anmerkt, dass hier eine verschlungene Geschichte mit starken Charakterporträts abseits ausgetretener Genre-Pfade erzählt wird.

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Genial und manchmal schwer zu ertragen

Zwei weitere "Hauptdarsteller" der Serie hätten sich ebenfalls einen Preis verdient: Zum einen das fotografisch toll eingefangene New York der 80-er und zum anderen die Erzählwelt rund um eine Puppen-TV-Show mit griesgrämig sarkastischen Machern, die zwar ein erbauliches, mitunter subversives Programm für Kinder erfinden, spielen, sprechen und singen, die sich nach Endes des Abspann-Songs aber fast täglich beleidigen und an die Gurgel gehen.

Gerade das Setting Puppenspieler-TV-Studie plus die Fantasie-Puppe, die sich als Eric selbstständig macht, gehört zu den besten Serien-Settings und Ideen der letzten Jahre. Dass "Eric" trotz dieser Qualitäten manchmal schwer zu ertragen und ungemein düster ist, muss man allerdings aushalten können.

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