31.01.2026 von SWYRL/Jasmin Herzog
Wer wissen will, was herauskommt, wenn Ben Stiller einen Film über einen Kriegsfilm dreht, der aus Versehen ein richtiger Kriegsfilm wurde, ist bei dieser furiosen, total durchgeknallten Kriegsfilm-Parodie genau richtig.
"Rambo": eine Lusche. "Missing in Action": ein Spaziergang. "Platoon": Kindergarten. "Tropic Thunder" ist härter als "Full Metal Jacket" und verrückter als "Apocalypse Now": Es ist ein Vietnamfilm über einen Vietnamfilm, der aus Versehen ein echter Vietnamfilm wurde. Der Plot ist abgedreht, der Film bewegt sich nahe am Trash, ist zudem auch ganz schön brutal, aber ohne jeden Zweifel auch ganz schön lustig - wenn man denn angesichts abgetrennter Gliedmaßen und hektoliterweise Filmblut überhaupt noch fähig ist zu lachen. Buch, Regie, Produktion, Hauptrolle - alles Ben Stiller, und entsprechend abgedreht ist dieser vor fieser Action und bösen Hollywood-Seitenhieben strotzende Film, den RTLZWEI (Samstag, 31. Januar, 20.15 Uhr) wiederholt, auch ausgefallen.
Da liegt er also im Granattrichter, der ungekrönte König des Actionfilms, Tugg Speedman: Da, wo die Hände sein sollten, nur noch Fetzen aus Fleisch, Haut, Adern. Ein verdammtes Blutbad. Und gleich soll er per Hubschrauber ausgeflogen werden, derweil im Hintergrund schon die Kampfbomber anfliegen: Napalm kommt. Im ganz großen Stil.
Doch die Szene platzt, weil Kirk Lazarus (Robert Downey Jr. ist als weißer australischer Oscar-Preisträger, der sich in seiner Rolle per Pigmentfärbung und antrainiertem HipHop-Slang als obercooles afroamerikanisches Dschungelkampfschwein geriert, eine Sensation) gerade jetzt die Sache mit den Tränen nicht so richtig gebacken bekommt. Überhaupt scheint sich der Mann in seinem Extreme-Method-Acting etwas übernommen zu haben. "Ich bin der Typ, der nen Typ spielt, der sich als anderer Typ verkleidet," wird er später ziemlich frustriert in die Kamera stöhnen. Hier darf viel gelacht werden über elitäre Charakterdarsteller und ihre Sorgen und Nöte.
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Ein von Anfang bis Ende atemloses Bilderfeuerwerk
Bis das Ensemble zu derlei Erkenntnissen über die Arbeit, das Filmemachen und das Leben an sich kommt, soll dieser Haufen verweichlichter, divenhafter Schauspieler, der zusammengecastet wurde, um nicht weniger als den härtesten, authentischsten, besten, teuersten Kriegsfilm aller Zeiten zu drehen, noch erfahren, was es heißt, wirklich durch die Hölle des Krieges zu gehen.
Am Ende steht ohne Zweifel ein großes Werk im Hardcore-Dogma-Stil. Zwar helfen ihnen auf dem Weg zum wahrhaftigen Schauspiel weder der Regisseur (Steve Coogan) noch der Fachberater (großartig: Nick Nolte als vermeintlicher knochenharter Vietnam-Veteran) weiter, doch dafür umso mehr eine Schwadron durchgeknallter Drogen-Guerillas, die die Film-Kampftruppe für echte US-Marines hält und nicht lange fackelt.
"Wir sind ausgebildete Schauspieler - stehen wir unseren Mann!", lautet das trotzige Motto der Darsteller, die noch eine Zeit lang glauben, alles wurde von der Produktion inszeniert, um den Film möglichst realistisch wirken zu lassen. Dabei weiß der Zuschauer längst: Die schwerreichen, verweichlichten Hollywoodstars stehen plötzlich mit Platzpatronen, aber ohne Handy-Verbindung, irgendwo im Dschungel und müssen gegen ziemlich blutrünstige, kampferfahrene Kombattanten um ihr Leben kämpfen.
Die mitunter etwas dämlich-überdrehte Handlung wird durch den einen oder anderen geradezu sensationellen Cameo-Auftritt kompensiert. Unter dem Strich ist "Tropic Thunder" allerdings viel mehr ein schlichtes Schenkelklopfer-Feuerwerk à la "Hot Shots" als eine tiefergehende Hollywoodpersiflage oder gar eine Parodie auf "Apocalypse Now"und Co. Es ist ein hoffnungslos übertriebener Pleiten-Pech-und-Pannen-Spaß für alle, die beides unbedingt mögen: Ben Stillers Humor und brutale Action-Reißer. Die werden sich an diesem völlig irren, furiosen, ultra-lauten und von Anfang bis Ende atemlosen Bilderfeuerwerk gar nicht sattsehen können.



