Serie bei Apple TV+

"Sunny " mit Rashida Jones: Lost in Roboter-Translation

05.07.2024 von SWYRL/Eric Leimann

Als Ehemann und Sohn der in Japan lebenden Amerikanerin Suzie (Rashida Jones) bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen scheinen, wird der Trauernden ein Haushaltsroboter zum Trost geschenkt. Die Serie "Sunny" (Apple TV+, 10.7.) schwankt kreativ zwischen Mystery und Near Future-Dramedy.

Dass Japan ein Ort zwischen Tradition und High Tech-Moderne ist, aber auch zwischen schwermütiger Steifheit und Gaga-Wahnsinn, wissen westliche Zuschauer spätestens seit Sofia Coppolas Kino-Ballade "Lost in Translation" (2003). Die zehnteilige Apple-Serie "Sunny" (zwei Episoden zum Start am Mittwoch, 10. Juli, danach gibt es jeden Mittwoch eine neue Folge bis zum 4. September) wirkt wie ein leicht überdrehtes Dramedy-Update der vor gut 20 Jahren von Coppola beschriebenen Welt. Es geht um die Amerikanerin Suzie (Rashida Jones), die gerade Ehemann Masa (Hidetoshi Nishijima) und ihren kleinen Sohn verloren hat. Beide gelten seit einem Flugzeugabsturz als vermisst. Zum Trost bekommt die Trauernde den drolligen Haushaltsroboter Sunny geschenkt. Angeblich wurde die Maschine von ihrem Mann, eigentlich Kühlschrank-Entwickler, konstruiert.

Suzie lehnt den schneeweißen Mitbewohner mit dem aufgeschalteten Smiley-Gesicht anfangs ab - und traut ihm nicht über den Weg. Dennoch hilft der Roboter ihr gegen die Einsamkeit. Weil einiges, was Suzie über ihren Mann zu wissen glaubte, plötzlich nicht mehr so recht zu stimmen scheint, recherchiert sie in Begleitung ihres Roboters im Leben Masas und in dessen arbeitgebenden Konzern herum. Dabei trifft sie auf allerhand Wunderliches und Gefährliches, das am Ende einer jeden Folge gerne mal als Cliffhanger fungiert. "Sunny" entstand unter den Fittichen von Showrunnerin und ausführenden Produzentin Katie Robbins ("Station Eleven"), die den gleichnamigen Roman des in Japan lebenden Iren Colin O'Sullivan adaptierte.

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Qunciy Jones' Tochter Rashida ist eine Wucht

Die größte Stärke der Serie sind Qunciy Jones' Tochter Rashida und auch Hidetoshi Nishijima ("Dolls"), der ihren japanischen Ehemann verkörpert. Das großartige und facettenreiche Spiel des in Rückblenden gezeigten Paares erdet eine manchmal etwas räuberpistolige Geschichte, die zwischen zwei Polen schwankt: seriösen Drama-Stoffen wie dem genannten "Lost in Translation" oder auch den kürzlich veröffentlichten starken Amerikaner-in-Asien-Serien "Tokyo Vice" oder "Expats" mit Nicole Kidman.

Andererseits überdrehen die Folgen auch immer wieder ins etwas gewollt Skurrile oder bedienen durchschaubare Mystery-Klischees. Immerhin ist das Ganze äußerst hochwertig gefilmt, die Serie sieht wunderbar stillvoll aus. Ob einem "Sunny" gefällt, dürfte ziemliche Geschmacksache sein. Fans der vielfach preisgekrönten Apple-Konkurrenz "Severence" oder auch der Anthology-Serie "Black Mirror" (Netflix) sollten diesem dunkel-komödiantischen Near Future-Stoff aber eine Chance geben.

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