01.02.2026 von SWYRL/Jasmin Herzog
Ein Film wie ein Auslandseinsatz: In "Sicario" begibt sich Emily Blunt in einen (Drogen-)Krieg, den sie nicht gewinnen kann.
Immer wieder fühlt man sich in "Sicario" (Sonntag, 1. Januar, 22.50 Uhr, ProSieben) wie in einem Kriegsfilm. Etwa in jener unfassbar spannenden Szene, in der amerikanische CIA-Agenten einen Tunnel stürmen, der über die Grenze nach Mexiko führt. Unterstützt werden sie von ehemaligen Irak-Veteranen in Flecktarn. Hier, irgendwo im Süden Arizonas, wirkt das Land wie in Afghanistan oder im Irak. Auch fehlt hier, wie in so manchem Krieg, eine klare Ordnung. Wer ist Freund, wer ist Feind? Nach welchen Regeln wird gespielt? Eine moralische Instanz existiert nur in Form von Kate Macy (Emily Blunt). Sie versucht, Recht und Ordnung hochzuhalten, während um sie herum Gewalt regiert. Ein aussichtsloser Kampf.
Eigentlich müsste Kate das wissen. Zu Beginn von "Sicario" (spanisch für "Auftragskiller") arbeitet sie noch bei einer Einheit zur Befreiung von Geiseln. Zusammen mit anderen Elitepolizisten stürmt die Agentin ein Haus, es kommt zu einem Schusswechsel und einer Explosion, mehrere Menschen sterben. Doch statt der Geiseln finden sie Leichen, Dutzende, in Plastikplanen verpackt und in den Wänden des Hauses versteckt. Der mexikanische Drogenkrieg hat die USA erreicht.
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Wer spielt welches Spiel?
Wenig später: Die Polizistin wird jetzt von einigen undurchsichtigen Männern - CIA? Bundespolizei? Regierung? - für einen neuen Einsatz verpflichtet. Bald sitzt sie in einem gepanzerten Wagen. Zusammen mit anderen Polizisten überquert sie die Grenze, von El Paso nach Juárez. Hier regiert das Kartell. Von den Brücken hängen verstümmelte Leichen, Angst hängt in der Luft. Doch die Beamten schaffen es, einen gefangenen Drogenbaron sicher in die USA zu bringen.
In einer Army-Base foltern der Regierungsmann Matt (Josh Brolin) und der Kolumbianer Alejandro (Benicio del Toro) den Drogenboss. Im Visier haben sie seinen Bruder, den Chef eines mächtigen mexikanischen Drogenkartells. Die Folter wirkt, er zeigt ihnen schließlich jenen Tunnel, der über die Grenze führt. Ausgerechnet Alejandro bleibt in Mexiko, allein; Kate wird zurückbeordert. Hier weiß der Zuschauer bereits: Alejandro spielt nicht mit offenen Karten. Seine Frau und Tochter wurden vom Kartell brutal ermordet, er sinnt auf Rache. Und auch Kate dämmert, dass sie nur eine kleine Figur in einem großen Spiel ist, dessen Regeln sie nicht beherrscht.
Hochspannungsthriller mit kleineren Schwächen
Nicht alles stimmt in "Sicario". Ausgerechnet die Hauptdarstellerin bleibt überraschend blass, ja beinahe langweilig. Vielleicht geht das nicht anders, wenn einem das Drehbuch die Rolle der Genfer Konvention inmitten eines Kriegs zuweist. Auch der Plot ist simpel gestrickt, das Finale fulminant, kann aber die zuvor gesteckten Erwartungen nicht erfüllen.
Dennoch ist der Film spannend, Regisseur Denis Villeneuve ("Dune") beginnt seinen Film wie eine Achterbahnfahrt des Schreckens und schafft es dann, fast kontinuierlich über zwei Stunden hinweg das Tempo zu halten. Roger Deakins ("Fargo") fängt mit seiner Kamera die perfekten Bilder zu dieser atemlosen Tour de Force ein, der Soundtrack von Jóhann Jóhannsson ("Arrival") treibt die Spannung mit beklemmenden Tönen auf die Spitze.



