Journalistin im Interview

"Haben mehr als 90 Anfragen gestellt": Sarah Tacke über die Herausforderungen ihrer Reportage

31.08.2025 von SWYRL/Paula Oferath

Im Interview zur neuen ZDF-Doku "Die Wahrheit über Arbeit und Geld" erzählt Sarah Tacke, wie schwer es war, Menschen zu finden, die offen über ihr Gehalt sprechen. Mehr als 90 Anfragen waren nötig, bis sich zwei Gesprächspartner fanden. Tacke erklärt, warum viele über Geld schweigen.

Dass die Menschen in Deutschland nur ungern offen über ihr Gehalt sprechen, ist längst kein Geheimnis mehr. Moderatorin Sarah Tacke gewährt im Interview mit der Agentur teleschau spannende Blicke hinter die Kulissen ihrer neuen Reportage "Die Wahrheit über Arbeit und Geld" (Dienstag, 2. September, 20.15 Uhr, ZDF). Wie schwer ist es wirklich, Menschen zu finden, die bereit sind, über ihr Einkommen zu sprechen?

"Unser Eindruck bei den Recherchen und Anfragen war, dass besonders viele mit hohen Gehältern sehr zurückhaltend sind, sich dazu öffentlich zu äußern", erklärt die 42-Jährige auf die Frage, welche Rolle Macht und Scham bei der Gehaltsfrage spielen. Tacke ist überzeugt: "Man will sich nicht in einer Rechtfertigungsposition wiederfinden." Die gebürtige Oldenburgerin ergänzt: "Dabei gibt es ja auch wirklich gute Gründe für gute Bezahlung. Vielleicht hat jemand besonderes Fachwissen oder bringt viel Erfahrung mit."

Besonders in Spitzenpositionen wird die Suche nach "Führungsköpfen" noch komplizierter, betont Tacke. Hier sei die Auswahl begrenzt: "Die Suche beschränkt sich oft auf relativ wenige potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten, da die Anforderungen extrem hoch sind." Für ihren Film haben Sarah Tacke und das ZDF-Team dann doch "zwei Menschen mit hohem Einkommen getroffen" - und das war alles andere als einfach.

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"Wir haben zwei Menschen mit hohem Einkommen getroffen"

Wie die Journalistin im Interview verrät, war dafür immense Geduld gefragt: "Wir haben mehr als 90 Anfragen gestellt. Zum Teil waren die Antworten heiter: 'Super Thema, müsste dringend mal offener drüber gesprochen werden. Ich allerdings kann aktuell leider nicht mitmachen.' Naja, irgendwann hatten wir eine Chefin gefunden, die bereit war, über ihr Gehalt und Geldverdienen zu sprechen."

Doch Tacke weiß auch: Über Geld zu sprechen ist heikel. Man riskiert Spannungen: "Im Team, wenn sich zeigt, dass ähnliche Arbeit ungleich bezahlt wird; im Freundeskreis, wenn finanzielle Unterschiede sichtbar werden; oder auch gegenüber Vorgesetzten, wenn die Frage nach fairer Bezahlung aufkommt." Viele Menschen denken deshalb, dass sie durch ihre Offenheit "mehr verlieren können als gewinnen" - sei es Ansehen, Harmonie oder gar ihre Position im Job.

"Davor schrecken viele zurück"

Das Schweigen offenbart laut Tacke, "wie tief die gesellschaftliche Prägung reicht: Über Geld spricht man nicht - vor allem nicht, wenn man mehr verdient als andere oder sich benachteiligt fühlt." Dass diese Denkweise einiges über unsere Gesellschaft aussagt, weiß die Journalistin und Juristin genau: "In beiden Fällen wird sichtbar, was viele lieber verdrängen: dass Leistung nicht immer gleich und auch nicht immer gerecht belohnt wird, dass Herkunft, Geschlecht oder Netzwerke oft mehr zählen als Kompetenz. Wer das anspricht, stellt das System infrage - und davor schrecken viele zurück."

Für die Reportage hat Tacke "bei einer Firma in Berlin gedreht, die genau dieses Experiment wagt: absolute Transparenz". Ob die neue Reportage die Zuschauer zum Nachdenken bringt und vielleicht sogar einen Schalter in Sachen Gehaltspreisgabe umlegt?

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