Das wurde aus den großen Punk-Ikonen
50 Jahre liegen die Anfänge von Punk nun zurück. Als Sänger der Sex Pistols war John Lydon unter dem Namen Johnny Rotten, hier zu sehen bei einem Liveauftritt im Dezember 1976, eine der großen Ikonen der Bewegung. Anlässlich Lydons 70. Geburtstags am Samstag, 31. Januar 2026, geht die Galerie der Frage nach, was aus den Punk-Größen von damals geworden ist.
© Graham Wood/Evening Standard/Getty ImagesSex Pistols
"No future" deklarierten die Sex Pistols 1977 in ihrem Skandalhit "God Save The Queen", über den man sich nicht nur im Buckingham Palast gehörig aufregte. Anschuldigungen, die Charts seien manipuliert und den Pistols der erste Platz verwehrt worden, um das Ansehen der Queen zu wahren, halten sich hartnäckig. Weitere Hits wie "Anarchy in the U.K." und "Pretty Vacant" zementierten den Status der britischen Punkband schlechthin.
© Peter Vernon / EMIJohnny Rotten
Nach dem vorzeitigen Ende der Sex Pistols im Jahr 1978 gründete Johnny Rotten unter seinem bürgerlichen Namen John Lydon die Post-Punk-Band Public Image Ltd., die bis heute aktiv ist. Um ein neues Album der bis heute aktiven Band zu finanzieren, nahm er an der aktuellen Staffel der britischen Ausgabe von "The Masked Singer" teil. Schon davor war Lydon Reality-erfahren: 2004 ging er ins Dschungelcamp. Die Ausflüge ins Reality-TV dürften Punkfans aber weniger vor den Kopf gestoßen haben als die Pro-Trump-Kommentare des 70-Jährigen.
© 2019 Getty Images/Emma McIntyreSex Pistols
2024 kündigten Bassist Glen Matlock (links), Gitarrist Steve Jones (rechts) und Schlagzeuger Paul Cook (nicht im Bild) eine Reunion der Sex Pistols an - ohne Johnny Rotten, an dessen Stelle Gallows-Sänger Frank Carter trat. Seitdem ist die Band wieder live unterwegs. Laut Matlock hat die Band durchaus Ideen für neue Musik, zögere aber damit, diese in die Tat umzusetzen, weil man die Reaktion des heutigen Publikums nicht abschätzen könne.
© 2025 Getty Images/Srdjan StevanovicRamones
Die Ramones gelten vielen Musikexperten als die Punkpioniere schlechthin. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum von 1976 schien die Rockmusik seiner Zeit komplett in Frage zu stellen und die meisten britischen Punkbands gründeten sich, nachdem sie die falschen Brüder Dee Dee, Tommy, Joey und Johnny (von links) auf ihrer ersten UK-Tour live gesehen hatten. Der große Durchbruch blieb der Kultband verwehrt, 1996 lösten sie sich auf, da waren Dee Dee und Tommy bereits durch CJ respektive Marky Ramone ersetzt worden.
© WarnerMarky Ramone
Marky Ramone ist nach den Gründungsmitgliedern das bekannteste Mitglied der Ramones und verbrachte nach Joey (✝ 2001), Johnny (✝ 2004) und Dee Dee (✝ 2002) auch die längste Zeit in der Band. Der 73-Jährige tourt mit seiner Band Marky Ramone's Blitzkrieg immer noch um den Globus mit einer Show, die 40 Songs in 80 Minuten verspricht. Sein Vorgänger Tommy Ramone verstarb 2014. Auch Richie Ramone (Drums, 1983-87) und CJ Ramone (Bass, 1989-96) sind noch musikalisch aktiv, letzterer als Teil der Punk-Supergroup Me First & The Gimme Gimmes.
© 2022 Getty Images/Marcelo HernandezThe Clash
The Clash, hier zu sehen im Jahr 1983, schlossen am Sound der Ramones und der Attitüde der Sex Pistols an, die sie aber in beiden Fällen um neue Elemente weiterentwickelten. Den Nihilismus der Pistols ergänzten sie um konkrete politische Inhalte, den puren Punk-Sound der Ramones um Einflüsse aus Rockabilly, New Wave und Reggae. Frontmann Joe Strummer (rechts) starb 2002 an einem zu Lebzeiten leider unerkannt gebliebenen Herzfehler.
© 2004 Getty Images/Hulton ArchiveTerry Chimes, Mick Jones und Paul Simonon
Die Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall of Fame im Jahr 2003 (Bild) erlebte Joe Strummer leider nicht mehr mit. Gitarrist Mick Jones (Mitte) war nach dem Ende von The Clash in zahlreichen Bands sowie als Produzent aktiv, unter anderem für The Libertines. Paul Simonon gründete unter anderem mit Blur-Frontmann Damon Albarn die inzwischen wieder aufgelöste Supergroup The Good, The Bad & The Queen. Eine Zeitlang spielte er Bass bei einem weiteren Projekt Albarns: den Gorillaz. Drummer Terry Chimes ist weitgehend inaktiv.
© 2003 Getty Images/Evan AgostiniDead Kennedys
Wahnwitzige Geschwindigkeit, kluge und bissige politische Texte und eine Surf-Gitarre, die klingt, als sei sie der Hölle entkommen: Mit dieser Mischung wurden die Dead Kennedys zur Punk-Sensation, die die US-Szene stark politisierte. Anfang 1986 lösten sie sich auf - wegen Uneinigkeit über die musikalische Zukunft der Band sowie wegen eines Prozesses, in dem sie wegen eines Artworks wegen der Verbreitung von Obszenität angeklagt wurden. Das von Sänger Jello Biafra geführte Label Alternative Tentacles stand kurz vorm Bankrott.
© IMAGO / Avalon.red / Chris WalterJello Biafra
Alternative Tentacles konnte der Insolvenz gerade noch entgehen und Jello Biafra so auch nach dem Ende der Dead Kennedys seiner Rolle als einflussreiche Figur der Punk-Szene weiterhin ausüben, indem er zahlreiche Nachwuchsbands förderte. Auch Biafra selbst blieb musikalisch umtriebig, zuletzt mit der Band Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine. Die restlichen Dead Kennedys vereinigten sich ohne ihn, nachdem ein hässlicher Gerichtsstreit über Lizenzzahlungen aus dem Backkatalog der Band ihre Beziehung zu dem Sänger zerstört hatte.
© 2013 Getty Images/Karl WalterBuzzcocks
Die Buzzcocks aus Manchester gehören zu den Urvätern des Pop-Punk. Zwischen 1977 und 1979 ließ die Band um Gitarrist und Sänger Pete Shelley (Mitte) und Gitarrist Steve Diggle (links) einen unwiderstehlichen, zwischen Welt- und Herzschmerz schwankenden Pop-Hit im Punkgewand nach dem nächsten auf die Charts los. Weitere Pionierarbeit: Den größten Hit "Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn't've)?" über unerwiderte Liebe schrieb der bisexuelle Shelley bewusst als hinsichtlich der sexuellen Orientierung ambivalentes Stück.
© I.R.S. Records / DominoSteve Diggle
Nach Auflösung der Buzzcocks im Jahr 1981 gründete Steve Diggle die Band Flag of Convenience, während Pete Shelley als Synth-Pop-Künstler solo Erfolge feierte. 1989 reformierten Shelley und Diggle die Buzzcocks und brachten regelmäßig neue Alben heraus, deren Verkaufszahlen sich jedoch nicht mit denen aus ihren Hochzeiten messen konnten. Seit dem Tod Pete Shelleys an Herzversagen im Dezember 2019 führt Diggle die Band alleine an. Ihr neues Album "Attitude Adjustment" ist am 30. Januar 2026 erschienen.
© 2012 Getty Images/Karl WalterThe Undertones
"The Clash hätten getötet, um aus Derry zu kommen", sagte Undertones-Bassist Michael Bradley (unten rechts) einmal. Was er damit meinte: Joe Strummer & Co. hätten aus dem Nordirlandkonflikt so einiges an Material für ihre Polit-Songs gewinnen können. The Undertones hingegen interessierten sich mehr für Mädchen, Schokolade und Rache an nervigen Cousins. Neben den Buzzcocks begründeten sie den Pop-Punk - und kaum ein Song fängt die adoleszente Sehnsucht so schön ein wie ihre Hymne "Teenage Kicks".
© IMAGO / Avalon.red / Michael PutlandFeargal Sharkey
Nach erfolglosen Umschulungsversuchungen zur Blue-Eyed-Soul-Band lösten sich die Undertones 1983 angesichts sinkender Verkaufszahlen auf. Sänger Feargal Sharkey hatte 1985 mit der Pop-Single "A Good Heart" nochmal einen Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. In den 90-ern wechselte er die Seite und wurde Musikfunktionär. Für seinen Einsatz für den Umweltschutz erhielt er 2019 einen Ritterorden. Der Rest der Band tat sich mit dem bekannten Radio-Moderator Paul McLoone als neuem Sänger 1999 wieder zusammen.
© 2025 Getty Images/Ezra ShawBlack Flag
Black Flag waren maßgeblich an der Weiterentwicklung von Punkrock zu Hardcore entwickelt. Ihren Wut auf die bestehenden Verhältnisse kanalisierten die Kaliforniere anfangs in rasende Punk-Tiraden, später erweiterten sie ihren Sound um Metal- und sogar Jazz-Anleihen. Mit Henry Rollins (Bild) brachte die Band eine der prominentesten Figuren der US-Punk-Szene hervor.
© IMAGO / KolvenbachHenry Rollins
Nach Black Flag gründete Henry Rollins die nicht ganz unbescheiden getaufte Rollins Band, doch auch die ist inzwischen inaktiv. Der bekennende Musiknerd fungiert heute einerseits als eine Art Archivar von Rockmusik und brachte unlängst eine verschollen geglaubte Aufnahme der britischen Punkband The Adverts auf den Markt. Außerdem ist er als Spoken-Word-Performer gefragt und geht mit seinem Programm weltweit auf Tour.
© 2019 Getty Images/Kevin WinterKeith Morris
Keith Morris war Black Flags erster Frontmann, verließ die Band aber bereits nach der ersten EP, um dann die ebenfalls einflussreiche Hardcore-Band Circle Jerks zu gründen. In den 2010er-Jahren war er einerseits Sänger der Band Off! sowie einer wiedervereinigten Version Black Flag, die sich aus rechtlichen Gründen aber nur Flag nennen darf. Aktuell tourt er wieder mit den Circle Jerks.
© 2013 Getty Images/Theo WargoGreg Ginn
Songwriter und Hauptantriebskraft von Black Flag war indes Greg Ginn, der weiterhin die Rechte an dem Namen besitzt. Ginn hat Black Flag bereits in mehreren neuen Variationen wiederbelebt, von denen vor allem die letzte für Verwunderung gesorgt hat: Mit Ausnahme des 71-jährigen Gitarristen entstammen alle restlichen Mitglieder der Gen Z.
© 2012 Getty Images/Karl WalterMinor Threat
Die Hardcore-Pioniere Minor Threat begründeten Anfang der 1980-er die Straight-Edge-Bewegung mit dem Song "Out of Step" und anderen, vorwiegend auf EPs veröffentlichten, Szene-Hits. Von dogmatischen Auslegungen dieser Philosophie - kein Alkohol, kein Fleisch, keine Drogen - fühlte sich Frontmann Ian MacKaye (vorne) eher befremdet. Der Song sei in erster Linie ein Aufruf gewesen, sich selbst treu zu bleiben, sagte er später.
© IMAGO / Everett CollectionIan MacKaye
Nach dem Ende von Minor Threat im Jahr 1983 trat Ian MacKaye später als Frontmann der Post-Hardcore-Pioniere Fugazi wieder auf den Plan. Mit Dischord Records betreibt er außerdem eines der wichtigsten Labels der US-Punk-Szene. MacKaye ist bis heute als musikalischer Tausendsassa aktiv, der außerdem Henry Rollins' Liebe für musikalische Archivarbeit teilt. Gemeinsam mit Rollins tat er die vormals erwähnte Adverts-Single auf.
© 2013 Getty Images/Karl WalterDescendents
Dass Hardcore-Punk und Pop zusammengehen können, bewiesen die Descendents, zu deren Fans auch Schauspielerin Juliette Lewis (Mitte) zählt, 1982 auf ihrem Meilenstein "Milo Goes to College". Der Titel entsprach der Realität: Nach den Aufnahmen verschwand Sänger Milo Aukerman (zweiter von rechts), um zu studieren, Drummer Bill Stevenson (rechts) stieg bei Black Flag ein. 1985 kehrte Aukerman zurück, um die Band dann 1987 endgültig für eine Karriere als Biochemiker an einer Uni zu verlassen. Die restlichen Bandmitglieder gründeten mit ALL eine neue Band.
© 2013 Getty Images/Frazer HarrisonDescendents
ALL konnten nie an die Popularität der Descendents anknüpfen. Milo Aukerman stieß 1996 und 2004 für kurzlebige Reunions zurück zur Band - als Ausgleich zu seinem Dasein als Biochemiker. 2016 schließlich kehrte er endgültig zurück - nachdem sein Vertag an der Uni nicht verlängert worden war. Seitdem tourt die Band wieder unermüdlich, zwei neue Platten inklusive. Die letzte, "9th & Walnut", erschien 2021, von einem Nachfolger wird schon länger gemunkelt.
© 2013 Getty Images/Frazer HarrisonBad Religion
Bad Religion beeinflussten mit ihren klassischen Alben "Suffer" (1988) und "No Control" (1989) den Melodic-Hardcore wie kau eine andere Band. In den 90-ern feierten die Pioniere ihren eigenen Durchbruch mit den Alben "Recipe for Hate" (1993) und "Stranger Than Fiction" (1994). Kurz darauf verließ Gitarrist Brett Gurewitz die Band, warf seinen Kollegen Ausverkauf vor und investierte seine Zeit lieber in seine Plattenfirma Epitaph, bei der auch die späteren Überflieger The Offspring unter Vertrag standen.
© 2005 Getty Images/Ethan MillerBad Religion
2001 kehrte Gurewitz zur Band zurück, verzichtet seitdem allerdings auf jegliche Touren, die stattdessen die fünf restlichen Bandmitglieder erledigen. Bad Religion touren regelmäßig, ihr letztes Album "Age of Unreason" erschien 2019. Seit 2020 ist die Rede von den Arbeiten an einem Nachfolgewerk - bislang gab es jedoch noch kein hörbares Ergebnis.
© Alice BaxleyHüsker Dü
Hüsker Dü aus Minneapolis fingen als pure Hardcore-Band an, später integrierten sie immer mehr melodische und experimentelle Elemente in ihre Musik und wurden zu Vordenkern von Post-Hardcore, Alternative Rock und Grunge. Den Wechsel vom Indie-Label SST zum Majorlabel Warner Bros. überlebte die Band nicht. Die Heroinabhängigkeit von Schlagzeuger Grant Hart (Mitte) wurde unter dem Druck schlimmer, bis es nicht mehr weiterging.
© NumeroBob Mould
Grant Hart besiegte seine Sucht zwar, verstarb 2017 aber an Komplikationen einer Krebs- sowie einer Lebererkrankung. Sein Ex-Kollege Bob Mould gründete in den 1990-ern die, wie die Hüskers ebenfalls sehr laute, Alternative-Rock-Band Sugar, mit der er einige Achtungserfolge feiern konnte. Mould ist noch heute als Solokünstler aktiv, sein aktuelles Album "Here We Go Crazy" erschien 2025.
© 2025 Getty Images/Rebecca SappNOFX
Mit ihrem provokativen Sinn für Humor fielen NOFX immer besonders auf. 1994 wurde ihr fünftes Album "Punk in Drublic" im Zuge der Pop-Punk-Welle zum Überraschungserfolg. Angebote von großen Majorlabels schlug die Truppe um Frontmann und Bassist Fat Mike (zweiter von links) bewusst aus. Im Booklet zu ihrem 1995 veröffentlichten Livealbum "I Heard They Suck Live" schrieben sie selbstbewusst: "Uns ging es all die Jahre auch ohne euch gut, also lasst uns allein!"
© Kevin WinterNOFX
Wer jetzt Lust bekommen hat, NOFX mal live zu sehen, muss leider enttäuscht werden. Die Band hat sich 2024 aufgelöst: Nach einer ausgiebigen Welttour mit zahlreichen namhaften Punkbands, unter anderem den Descendents und Lagwagon, im Vorprogramm spielten NOFX am 6. Oktober 2024 in Los Angeles ihre allerletzte Show.
© Susan Moss