08.01.2026 von SWYRL/Gianluca Reucher
Netflix will das Zeitfenster, um Kinofilme ins Wohnzimmer zu holen, deutlich verkürzen. Die deutsche Kinolandschaft zeigt sich besorgt von dem Vorhaben des Streaming-Riesen.
Wenn Filme im Kino laufen, bleiben sie üblicherweise etwa 45 Tage lang exklusiv in den Lichtspielhäusern. Frühestens nach Ablauf dieser Frist werden sie auf Streamingplattform oder als digitale Kauftitel verfügbar. Doch genau das will Netflix jetzt drastisch ändern. Wie das Branchenmagazin "Deadline" unter Berufung auf interne Quellen berichtet, strebt das Unternehmen eine Verkürzung auf lediglich 17 Tage an.
Aktuell plant Netflix die Übernahme von Warner Bros. und will für das Film- und Streaminggeschäft des Unternehmens 82,7 Milliarden US-Dollar zahlen. Der Kaufvertrag ist bereits unterzeichnet und Warner Bros. hat gerade erst das nachgebesserte Angebot von Paramount abgelehnt, das zwar mit 108,4 Milliarden US-Dollar sogar mehr Geld verspricht, aber im Gegensatz zum Netflix-Deal die komplette Übernahme mit dem TV-Geschäft einschließlich des Nachrichtensenders CNN vorsieht. Das Angebot wurde von Warner Bros. als "unzureichend" eingestuft, sodass der Deal mit Netflix weiterhin steht - wenn auch das letzte Wort noch nicht gesprochen scheint.
Sollte die Übernahme von Warner Bros. finalisiert werden können, möchte Netflix offenbar im nächsten Schritt die Filme deutlich schneller auf der Streamingplattform anbieten können. Mögliche Änderungen am Kinofenster wären allerdings frühstens 2027 möglich. Der Kinokalender für 2026 steht bereits fest. Dennoch reagierte die deutsche Kinolandschaft mit großer Sorge auf den vermeintlichen Plan von Netflix.
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"Eine ausreichend lange, exklusive Auswertung im Kino ist unverzichtbar"
Gegenüber "t-online.de" sagte Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino e. V.: "Eine ausreichend lange, exklusive Auswertung im Kino ist unverzichtbar für den Erfolg von Filmen. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, das sogenannte Kinofenster zu verkürzen, zeigt die Erfahrung: Nur ein groß angelegter Kinostart weckt die Begeisterung beim Publikum, stärkt das gemeinsame Filmerlebnis und sichert der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltigen Nutzen."
Aufgrund der inzwischen zahlreichen Streamingplattformen hat das Kino ohnehin längst nicht mehr das große Publikum aus früheren Zeiten. Sollten Filme künftig bereits nach zweieinhalb Wochen im eigenen Wohnzimmer verfügbar sein, dürften es noch einmal weniger Leute für nötig halten, ein Kino zu besuchen.
Netflix-Co-Chef Ted Sarandos hat sich bisher diplomatisch geäußert. Das Unternehmen sei "zu 100 Prozent entschlossen", Warner-Filme in den Kinos mit "branchenüblichen Zeitfenstern" zu veröffentlichen, ließ er laut "Deadline" verlauten. Was genau er damit meint, ließ er allerdings offen.


